André Krüger

und seine

"LLOYD SYDNEY"

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Ein Beitrag aus der gelben Zeitzeugen-des-Alltags-Buchreihe von Jürgen Ruszkowski


 

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André Krüger wurde am 12.05.1960 in Hannover geboren. Als kleiner Junge faszinierten ihn schon immer Reiseberichte über ferne Länder, besonders Australien. Als er ca. 14 Jahre alt war, traf er auf seinem Wochenendplatz einen Seemann, der ihn und anderen Kinder mit seinen Berichten über die weite Welt in Atem versetzte. Er erzählt:

Mit ihm begann ich eine Brieffreundschaft, die über Jahre anhielt, und als ich meine Schulzeit beendete, wusste ich nicht so recht, welchen Beruf ich erlernen sollte. Gerne, wie viele andere Jungs auch, wollte ich zur Polizei oder Feuerwehr, dort gab es aber zu der Zeit keine Ausbildungsplätze, so kam ich auf die Idee, mir doch erst mal die weite Welt anzuschauen. Ich fragte meinen Brieffreund, der für die Bugsier-Reederei als Steward zur See fuhr, ob er mich nicht auf einem Schiff unterbringen könne. Es klappte, und somit fing ich im August 1977 an, zur See zu fahren. Drei Jahre dauerte dieses Abenteuer und die nicht immer leichte Arbeit des Stewards machte mir sehr viel Spaß. Schnell stieg ich vom Messejungen zum 2. Steward auf.

Da ich aber immer einen sehr guten Kontakt zu den einfacheren Seeleuten, sprich Matrosen, Reinigern usw. hatte, arbeitete ich immer freiwillig in der Mannschaftsmesse. Der Kapitän freute sich, dass seine Crew gut versorgt wurde, und die Mannschaft freute sich über meine zuverlässige Arbeit. Dass ich freiwillig als 2. Steward für sie arbeitete, dankten sie mir damit, dass ich oft während der Arbeitszeit an Land konnte und sie sich selbst versorgten. Dafür stand ich oft des Nachts auf und kochte bei schlechtem Wetter für "meine Jungs" Tee oder Kaffee. Es war eine tolle Zeit, und ich hatte ein einfaches und wunderbares Leben an Bord. Ich vergesse nie, wenn der Alte sagte: „Es gibt nichts Besseres, als eine zufriedene Crew, und das verdanken wir dir, Skippy."

1980 beendete ich die Seefahrt und erlernte den Beruf des Modellbauers, den ich dann noch 10 Jahre ausführte. Leider verlor ich meinen Arbeitsplatz und machte dann eine Umschulung zum Bauzeichner. Mit Glück fand ich eine Anstellung bei dem großen Unternehmen EDEKA und bin bis heute in der Bauabteilung beschäftigt. Ich betreue ca. 30 Supermärkte und sorge für die Instandsetzung und Erhaltung der baulichen Substanzen. 1995 heiratete ich meine große Liebe Sabine. Zum Glück teilt sie mit mir meine große Leidenschaft der fernen Länder und wir reisen sehr viel. Da meine Frau für ein großes Reiseunternehmen arbeitet, stehen uns sehr viele Türen offen.


MS OSTFRIESLAND 1977

Ich hatte mir meinen Traum erfüllt, ich war Seemann. Dieses wurde mir klar, als ich mein erstes Seefahrtbuch in den Händen hielt. Mein älterer Freund, Steward zur See Walter Bähr, der jetzt auch mein Boss war, hatte mir diesen Traum ermöglicht. Seine großartigen Reiseberichte hatten mich dazu beflügelt, auf einem Schiff anzumustern. Am Freitag, dem 21. August 1977 fuhren wir mit der Bahn über Köln und Brüssel nach Antwerpen, wo mein erster Dampfer, MS OSTFRIESLAND lag. Der Abschied von zu Hause war nicht sehr leicht, ich war auch gerade erst 17 Jahre alt, und ich trat ja eine Reise in die Ungewissheit an. Leider hatte das Schiff noch keine Charter, und die Reederei entschloss sich, ein gutes Angebot aus China anzunehmen, und verkaufte die OSTFRIESLAND kurzerhand. Schon am Montag, dem 7. September fuhren wir mit dem Leihwagen durch Holland zurück nach Hannover. Dieses war mein erster Aufenthalt an Bord, ohne dass das Schiff sich nur einen Millimeter bewegt hatte.

MS ELBELAND 1977 - 78

Nach einem kurzen Heimaturlaub ging es wieder los. Es war eine noch größere Abschiedszeremonie, als bei meiner ersten Abfahrt. Am 21. September 1977 fuhren wir nach Hamburg, ohne zu wissen, wie es weiter ging. Mein neues Zuhause hieß MS ELBELAND, aber auch dieses Schiff hatte keine Charter. Es vergingen Tage, sogar Wochen, und ich traf alle Leute, von denen ich mich so herzlich verabschiedet hatte, nach kurzer Zeit wieder. „Wann fahren wir denn endlich mal,“ war meine meist gestellte Frage. Meine Eltern und mein Großvater besuchten mich oft an Bord. Besonders gut gefiel es Opa, der, als er den Maschinenraum und die Brücke gesehen hatte, gar nicht mehr weg wollte. Meine Eltern wurden sogar vom Kapitän eingeladen und verbrachten ein Wochenende an Bord. Es war eine herrliche Zeit, aber das Schiff fuhr nicht. Am Morgen des 31. Oktober 1977 kam der Käpt`n und sagte, dass die Deutsch-Ost-Afrika-Linie uns gechartert habe, wir sollten nach Südafrika fahren. Die Freude war unbeschreiblich: ICH, André Krüger, Messejunge, fahre in die Welt hinaus. Das, wovon meine Freunde zu Hause nur träumten, sollte endlich wahr werden. Am Montag, dem 2. November 1977, legte die ELBELAND um 11:00 h in Hamburg ab. Das erstemal wurde ich in meinem Leben in Schulau mit der deutschen Nationalhymne verabschiedet, und sofort wurde ich seekrank. Der Blick auf das Wasser reichte aus. Hinzu kam das durch die Maschinen verursachte Vibrieren des Schiffes. Ich dachte, ich müsse sterben, aber nach einem Tag, als wir am 3. November gegen 00:35 in Bremen festmachten, war alles wieder vorbei. Am folgenden Tag fuhren wir mittags um 12:30 h wieder los, bogen von der Wesermündung in die Elbe ein und waren nachts wieder in Hamburg. Genau genommen war der Trip Hamburg – Bremen und zurück meine erste große Seereise. Am Montag, dem 9. November, ging es dann aber wirklich in die Ferne. Von Hamburg fuhren wir nach Rotterdam, dem größten Hafen der Welt, welchen wir am 11. November wieder verließen. Einen Tag später war die ELBELAND in Antwerpen fest. Ein letzter Anruf zu Hause, dann stachen wir am 14. November endlich Richtung Afrika in See. Das eigentliche Abenteuer konnte beginnen. An den Kreidefelsen von Dover vorbei fuhren wir in die Biskaya hinein, wo ich das erstemal die Rauheit der See zu spüren bekam. Mit jedem Tag Richtung Süden wurde das Wasser grüner, und die Sonne fing mehr und mehr an zu brennen. Vor der Elfenbeinküste sah ich Hunderte von spielenden Delfinen, und kurz danach überquerten wir schon den Äquator.

Nach einigen Tagen ohne „Land in Sicht“ erreichten wir am Dienstag, dem 1. Dezember 1977, Kapstadt. Die Stunden vor der Einfahrt verbrachte ich an Deck, und ich erinnere mich noch heute daran, dass diese Stadt einen der schönsten Häfen der Welt hat. Von weiter Ferne sah man die Silhouette des Tafelberges, der jeden Abend von großen Wolkendecken umschlossen wird, näher kommen. Um 20:10 h legten wir an, und ich betrat kurze Zeit später afrikanischen Boden. Mein Herz schlug bis zum Hals. Schon am nächsten Tag liefen wir am Abend um 22:00 h aus. Vorbei am Kap der guten Hoffnung fuhren wir entlang der Küste und erreichten die Reede von Port Elizabeth um 23:40 h am Abend des 3.12.1977. Am Freitag, dem 4. Dezember, machten wir um 18:10 h in PE fest. Die Zeit reichte hier für einige Landgänge.

Am Sonntag, dem 6.12., liefen wir um 17:10 h wieder aus und waren schon am nächsten Morgen in East London, wo wir um 07:30 fest machten. Die Stadt liegt am malerischen Buffalo River und wurde 1836 von den Briten als Militärposten im Kampf gegen die Xhosa gegründet. Bis Mittwoch, den 9. Dezember, lagen wir hier, dann ging es um 13:55 h wieder raus. Mit einem anderen deutschen Schiff, MS TUGELALAND, lieferten wir uns ein heißes Wettrennen, welches unser Dampfer knapp gewann. Am folgenden Morgen machte die ELBELAND um 09:10 h in Durban fest. Hier sollten wir etwas länger liegen, und die Zeit reichte aus, einige Dinge zu unternehmen. Wir spielten Fußball, veranstalteten Grillabende und verbrachten wunderbare Stunden an der herrlichen Strandpromenade. Steward Walter und ich mieteten uns ein Auto und fuhren entlang der Küste, um einige Strände zu besuchen. Auch das Land der 1000 Hügel hinterließ einen bleibenden Eindruck. Niemals hätte ich geahnt, dass ich 23 Jahre später diese Orte nochmals mit meiner Frau Sabine besuchen würde. Jeden Abend ließen wir uns die leckeren Steaks in einem der vielen Hotels an der Beach schmecken. Am Samstag, dem 19.Dezember, hieß es dann um 13:40 h wieder „Leinen los“. Schon am nächsten Tag lagen wir in Richards Bay. Hier entstand zu dieser Zeit ein ganz neuer Hafen, und die Stadt wurde um diesen erbaut, so gab es noch nicht viel zu sehen. Wir sollten nur nicht baden gehen wegen der vielen Krokodile. Am 21. Dezember fuhren wir um 09:00 h wieder weiter und kamen am nächsten Tag erneut in East London an. Zum aller ersten Male verbrachte ich das Weihnachtsfest nicht Zuhause. Schön geschmückt und mit einem Tannenbaum aus der Heimat veranstalteten wir ein gelungenes Bordfest. Walter Bähr, der 1.Steward, war ein perfekter Meister im Organisieren solcher Veranstaltungen. Am Sonntag, dem 27.12., verließen wir East London und kamen am darauf folgenden Tag in Port Elizabeth an. Hier erlebten wir die Neujahrsnacht, in der nicht mit Böllern geknallt werden durfte, es hätte ja ein Aufstand der Schwarzen sein können. Aber pünktlich um null Uhr ließen alle Schiffe im Hafen ihre Nebelhörner blasen. Ich fühlte mich sehr wohl, war aber in Gedanken Zuhause.

Am Neujahrstag liefen wir gegen 13:30 h aus Port Elizabeth aus und machten am folgenden Tag um 13:00 h erneut in Kapstadt fest. Bevor wir am 3. Dezember um 22:00 h wieder ausliefen, nutzte ich den Nachmittag für eine Fahrt auf den Tafelberg. Ein atemberaubender Rundblick über die Stadt und zur anderen Seite auf das Kap der guten Hoffnung sowie Kap Agulhas, der südlichen Spitze des Kontinentes, waren die Belohnung. Am Dienstag, dem 5. Januar, legten wir um 17:00 h in Walfishbay, Namibia, an. Von hier aus machte ich einen Ausflug nach Swakopmund. In diesen Städten ist noch der Einfluss aus Deutschland sichtbar, als dieses Land eine Kolonie des Kaiserreiches war. Durch die phantastische Wüste Namib, entlang der Küste und vorbei an Seen mit Tausenden von Flamingos, freute ich mich, die ELBELAND sicher an der Pier liegen zu sehen. Am Freitag, dem 8. Januar, liefen wir gegen 17:00 h wieder aus. Unsere Ladung bestand aus schweren Kupferplatten, und da der Schwerpunkt im Schiff ungünstig ausgewogen war, fing das Schiff bei der kleinsten Welle gewaltig zu schaukeln an. Vor Portugal erwischte uns dann ein schwerer Sturm, und eines Nachts holte die ELBELAND so sehr über, dass sie Schwierigkeiten hatte, sich wieder aufzurichten. Erst später erfuhr ich, dass die Situation einmal so gefährlich war, dass wir bei einem weiteren Brecher in diesem Moment dem Kentern nahe waren. Ich erinnere mich gut daran, dass die ELBELAND in kritischer Seitenlage nicht mehr hoch kam. Die kochende See und die Maschinen brüllten sich gegenseitig an, und die Schrauben, die halb aus dem Wasser ragten, kreischten wild drehend in der Luft. Es war, im nachhinein gesehen, die einzige wirklich gefährliche Situation in meiner Zeit zur See.

Am Freitag, dem 22. Januar, liefen wir um 21:10 h sicher im französischen Le Havre ein. Es war furchtbar kalt und die Luft roch nach Schnee. Europa hatte uns wieder. Am 23.01.1978 verließen wir den Hafen um 21:40 h und waren am folgenden Tag gegen 10:35 h in Dünkirchen. Montag, den 25.01., ging es um 12:30 h weiter, und am späten Nachmittag waren wir in der Schelde in Vlissingen auf Reede. In der folgenden Nacht gegen 03:00 h liefen wir in Antwerpen ein. Diese Reise, meine erste, war hier offiziell beendet. Am 1. Februar wurde die ELBELAND an China verkauft und mit einem feierlichen Akt offiziell übergeben.

Ich packte meine Sachen und war am nächsten Tag gegen 16:00 h in Hannover. Sieben Tage konnte ich Zuhause verbringen, dann erhielt ich die Nachricht, dass ich auf der WESERLAND, die in Hamburg lag, einsteigen sollte. Sie wurde gerade in LLOYD SYDNEY umbenannt und sollte nach Australien fahren, wo ich schon immer hin wollte. Noch nie fuhr ein Schiff der Bugsier Reederei zum 5. Kontinent, ein Traum sollte für mich in Erfüllung gehen (siehe 1. Reise der Lloyd Sydney).

* * *

Andre Krüger berichtet über seine LLOYD SYDNEY

Ich bin auf einigen Schiffen zur See gefahren, aber die LLOYD SYDNEY war und ist meine große Liebe, die größte, die ich je zu einem materiellen Gegenstand hatte. Das große Glück in meinem Leben war, knapp über ein Jahr lang die LLOYD SYDNEY, diese bezaubernde Lady, mein Zuhause nennen zu dürfen.

Einlaufen Rio de Janeiro

Bis heute habe ich die Existenz "meiner" LLOYD SYDNEY verfolgt und möchte nun auf diesen Seiten an meine beiden großen Reisen 1978 sowie 1979-80 auf ihr erinnern und mich gleichzeitig bedanken bei einer großen Liebe und sie hiermit weiterhin, zumindest visuell, am Leben erhalten.

Hier aber zuerst einige technische und statistische Angaben:

Am 23. Juni 1970 bei Rheinstahl-Nordseewerke GmbH, Emden (Bau Nr. 412) fertiggestellt und abgeliefert für die Bugsier-, Reederei- und Bergungs AG, Hamburg.

1 x 7-cyl. einf. Zweitakt, Sulzer - Dieselmotor, 11.200 PSe, 183 kn.

Am 6. Januar 1866 hatten mehrere Hamburger Reeder die "Vereinte Bugsir Dampfschiff Gesellschaft" gegründet. Nach diversen Umbenennungen entstand ab dem 1. Mai 1919 die Bugsier-, Reederei- und Bergungs AG. Im Januar 1926 übernahm Wilhelm Schuchmann die Geschäftsleitung der "Bugsier". Es entstand eine weltweit bekannte Schlepp- und Bergungsfirma.

Bis vor wenigen Jahren gab es innerhalb dieser Reederei auch einen regen Frachtschiffbetrieb. Die Königsklasse dieser Schiffe, waren die Bauten der Nordseewerke in Emden. Die MS WESERLAND, ein Frachtmotorschiff aus dieser Baureihe, fuhr in den Jahren 1978-81 in einer Charter für den Lloyd Brasileiro als MS LLOYD SYDNEY über die Weltmeere.

Im Mai 1972 wurde das Schiff umbenannt in CONCORDIA WESERLAND (Charter Name). Februar 1973 wieder in MS WESERLAND, im Februar 1978 erneut umbenannt, diesmal in MS LLOYD SYDNEY (Charter Name), im Januar 1981 wieder in WESERLAND, am 18. Mai 1984 verkauft an PIL, Pacific International Lines (Singapore), umbenannt in MS KOTA TIMUR. 8 Jahre später, 1992 Weiterverkauf an die Golden Splendour Shipping Corp. - Kenco Shipping Ltd.Hong Kong (China), Flagge Kingstown (St. Vincent and the Grenadines), umbenannt in MS GOLDEN SPLENDOUR. Ab dem Jahr 2000 nicht mehr im Lloyds Register London erfasst.

Meine Reise 1978 auf MS LLOYD SYDNEY

Am 7. Februar 1978 traf ich gegen 10:00 Uhr von Hannover aus in Hamburg an Bord der MS LLOYD SYDNEY ein. Das Schiff, eigentlicher Name MS WESERLAND, hatte gerade eine Charter für den Lloyd Brasileiro bekommen. Es erhielt nun den neuen Namen, einen neuen Schornsteinanstrich und verschiedene Änderungen. Für den neuen Arbeitgeber sollte sie das südliche Amerika, Afrika und den pazifischen Raum um Australien bereisen. Vorbereitungen für einen langen Auslandsaufenthalt von fast vier Jahren, was zu dieser Zeit aber niemand ahnte, wurden getroffen.

Bei leichtem Schneeregen verließ die MS LLOYD SYDNEY am 10. Februar gegen 14:30 mit einer neuen Crew den Hamburger Hafen. Vorbei an Schulau, wo für lange Zeit das letzte Mal die Heimathymne zu hören war, ging es in Richtung Elbmündung. Die ersten Tage vergingen wie immer recht zähfließend, die Gemüter der Fahrensleute schlugen aber schnell in Glückseligkeit um, als nach dem Durchqueren der Biskaya das Wetter stetig besser wurde. Der blaue Himmel und das smaragdgrün leuchtende Wasser ließ spürbar werden, dass der Äquator zügig heranrückte.

Am Sonntag, dem 19. Februar, hörten um 11:00 die Maschinen auf zu arbeiten. Wir waren einfach zu schnell und wären zu früh am Ziel eingetroffen. Ab 19:30 ging es weiter. Ein ruhiger, erholsamer Tag auf hoher See, mit dem ersten Sonnenbad nach einem langen europäischen Winter. Der folgende Tag hielt uns trotzdem ab 13:00 auf Reede in Fortalezá, Brasilien, fest, so dass wir erst am 20. Februar um 09:00 h einliefen. Zwei Tage Landgang in einer idyllischen Kleinstadt, die umgeben ist von unendlichen Urwäldern. Der 22. Februar sah unser Schiff schon wieder ab 07:00 auslaufen.

Die Reisen in Sichtweite der Küste sind meist ruhig, aber sehr interessant. Von weitem konnten wir am 25. Februar in der Mittagssonne schon den Corcovado, die Christus-Statue, in Rio de Janeiro sehen. Vorbei am Zuckerhut, machte die LLOYD SYDNEY um 17:00 im alten Hafenbecken an der Práca Mauá fest. In nur zwei Minuten Fußmarsch waren wir im Herzen dieser Weltmetropole, die mich mit ihren phantastischen Eindrücken fast erschlug. Die Hitze zwischen den Häuserschluchten war atemraubend, die Freundlichkeit der Menschen bisher unbekannt für mich. Die Brasilianer behaupten: In sechs Tagen erschuf Gott die Welt, am siebten Rio de Janeiro... ja, es muss so gewesen sein. Der 27. Februar sah uns gegen 23:30 h die Stadt verlassen.

Ab dem 28. Februar gegen 10:00 Uhr lagen wir auf Reede vor Santos und frühmorgens um 06:00 h, dem 1. März, war unser Schiff an der Pier. Wie auch in Rio sah man hier noch vereinzelt die Reste des Karnevals, vor kurzem das Ereignis überhaupt für Brasilien. Die Straßen gleichen einem Konfetti- und Luftschlangen-Schlachtfeld. Bis zum 5. März 18:00 Uhr genossen wir das bunte Treiben dieser Stadt mit einem der berühmtesten Fußballclubs der Erde, dann ging es weiter.

Entlang der südamerikanischen Küste bogen wir am 7.März in den Rio de la Plata ein. In seinem trüben Wasser passierten wir die Millionenmetropole Montevideo, Uruguay, in Richtung der Hauptstadt Argentiniens. Der 8. März 1978 sah die LLOYD SYDNEY am frühen Morgen um 05:30 einlaufen. Ein wenig Shoppen und Sightseeing, viel Zeit hatten wir hier leider nicht. Buenos Aires ist ganz anders als das sonstige Südamerika. Am Abend ließen wir es uns nicht nehmen, eine der zahlreichen Churascorias zu besuchen. Fleisch ist extrem billig hier, und es wird von gewandten Köchen direkt vor den eigenen Augen zubereitet. Auch mittags gab es noch schnell ein Steak, bevor wir mit vollem Magen am 9. März abends um 19:15 h den Befehl "Leinen los" hörten. Vom Mar del Plata aus ging es direkt in die Tiefen des Atlantischen Ozeans hinein, der mit seiner Unendlichkeit am Horizont auf uns wartete.

Der einzige Fremdling, der ein Schiff auf weiten Seereisen begleitet, ist der Albatros. Gerade auf den Atlantik-Fahrten sieht man sie tagelang in den Aufwinden der Wellen schweben, ohne nur einen einzigen Flügelschlag auszuführen.

Die Küste Südafrikas war schnell erreicht und an der Silhouette Kapstadts vorbei ging es entlang der schier endlosen Küste hinauf nach Durban, welches wir schon am Montag, dem 20. März erreichten und nachts um 02:00 Uhr anliefen.

Nur ein Tag blieb uns in diesem Hafen, der vom Volumen der größte in Afrika ist. Eingebettet in traumhafte Strände, die uns leider nicht halten konnten, verließen wir am 21. März gegen 14:40 Uhr diesen Ort.

Jetzt musste der Indische Ozean durchquert werden. Das ergreifende Gefühl, wenn das Festland im Rücken im Meer zu versinken scheint und die Weite der See das Schiff verschluckt, muss am eigenen Leib erlebt werden.

In der Nacht zum Samstag, dem 25. März, gegen 01:00, wurden Hurrikan „Winnie“ und „Marlene“ voraus gemeldet. Sie waren weit entfernt, trotzdem traf unser Schiff eine schwere Dünung und beide Stürme ließen die LLOYD SYDNEY ihren kaltnassen Atem spüren. Am 28. März bekamen diese beiden Teufel noch Unterstützung aus dem Süden von Hurrikan „Alby“. Geschickt verstand es unser Käpt’n mit all seiner Erfahrung den dreien zu "entkommen". Nach der Durchquerung der großen australischen Bucht passierten wir früh morgens Cap Nelson und Cap Otway, fuhren in die Phillips Bay und machten am 3. April um 19:30 h in Victorias Regierungsstadt Melbourne die Leinen fest.

Ruhe und Entspannung erwarteten uns die ersten Tage in Down Under. Am Mittwoch, dem 5. April, spielte das Fußball-Team LLOYD SYDNEY ein Freundschaftsspiel gegen die Südkoreaner der MS OCEAN ACE und gewann mit 7:0, abends feierten wir mit unserem Gegner. Erst am 7. April 20:00 Uhr ging es weiter entlang der australischen Küste, wo wir am Sonntag, dem 9. April in der Morgendämmerung in die Jackson Bay einfuhren.

Nach zahlreichen Landzungen tauchte das Dach der Oper von Sydney mit seiner einmaligen Form voraus auf. Vorbei an diesem Wunderbauwerk machten wir gegen 06:00 h im alten Hafen an der Pyrmont Bridge die Leinen fest.

Glücklich sind die Menschen, die in dieser traumhaften Stadt leben dürfen. Am 13. März verlor unser Fußballteam nach einer furchtbaren Leistung mit 0:6 gegen eine russische Auswahl.

Nach über einer Woche Liegezeit und zahllosen Ausflügen verließen wir am 18. April um 08:15 h Sydney, umfuhren Australien, passierten problemlos den Indischen Ozean und kamen bei schwerer See am 1.Mai um 15:00 h in Durban, Südafrika, an, wo wir vorerst auf Reede gehen mussten. Die Zeit der schweren Stürme in diesem Ozean war noch nicht abgeklungen. Seit Tagen traf die LLOYD SYDNEY eine extreme Dünung, Wellenberge, die sich durch Hurrikans zu Türmen aufgerichtet haben und die nun Tage brauchen, um wieder Ruhe zu finden. Hierbei scheint oft schon die Sonne am Himmel, es ist windstill, doch die See stampft wie wild und wirft das Schiff teils unkontrolliert umher.

Als alles ein wenig ruhiger wurde, konnten wir am 3. Mai um 19:30 h in Durban einlaufen. Abends kurz essen, morgens noch schnell einkaufen, schon ging es leider am 4. Mai um 13:30 Uhr weiter.

Entlang der Küste Südafrikas erreichte die LLOYD SYDNEY am Freitag, dem 5. Mai um 04:00 h East London, ging dort auf Reede und lief um 07:00 h ein. East London ist eine alte Industriestadt und der einzige Hafen im Süden Afrikas, der an einer Flussmündung liegt, dem Buffalo River. An einem sonnigen Morgen, dem 10. Mai, um 07:00 h verließen wir East London.

Entlang traumhafter Küsten wechseln steile Felsenklippen mit malerischen Buchten, ausgedehnte Sandstrände mit dichtem, immergrünem Regenwald. Der leuchtenden Landschaft entspringen zahlreiche Flüsse, die sich in weiten Bögen durch grüne Küstenebenen schlängeln und schließlich im Indischen Ozean enden. Vorbei am Kap der guten Hoffnung überquerten wir bei gutem Wetter erneut den Atlantik.

Kurz unterhalb des Äquators mündet der Amazonas in einem riesigen Delta in den Atlantischen Ozean. Lange vor dem Erreichen dieses Beckens färbt sich das grüne Wasser in einen Braunton. Rechts und links flankiert von der undurchdringlichen Dichte des Urwaldes erreichte die LLOYD SYDNEY am 20. Mai um 20:50 h die Reede der brasilianischen Stadt Belém. Die Stadt kann wegen der geringen Wassertiefe nicht direkt angelaufen werden, somit findet das Laden und Löschen mit kleinen Booten auf dem Fluss statt.

Mit diesen Booten wurden wir auch in einem unregelmäßigen Fährverkehr an Land übergesetzt. Die mysteriösen Geräusche von Millionen verschiedener Insekten, die aus dem Dickicht des Urwaldes klingen, hielten uns von einem Ausflug in diese grüne Welt ab.

Bei warmem, tropischem Regen, der in Massen vom Himmel fiel, verließen wir am Mittwoch, dem 24. Mai um 12:00 Uhr Belém und erreichten am 26. Mai um 05:00 h erneut Fortaleza. Nach einem Badeausflug eines Teiles der Crew und einigen Landgängen fuhr das Schiff am 27. Mai um 06:00 h morgens weiter.

Der 30.Mai des Jahres 1978 sah die LLOYD SYDNEY um 18:30 wieder in Rio de Janeiro einlaufen. Diesmal fanden wir die Zeit zu einem Ausflug an die berühmte Copacabana und Ipanéma, genossen den Sonnenuntergang an diesen Stränden, wo das blutrote Licht sich in Millionen von Fenstern der Hochhäuser wiederspiegelt.

Am 4. Juni um 08:30 h nahmen wir Abschied von dem "Fluss des Januars", wie Rio übersetzt heißt. In Sichtweite der Küste ging es vorbei am Zuckerhut. Einen Tag später um 20:00 h lagen wir auf Reede vor Santos, wo wir am 6. Juni um 08:00 h festmachten. Sieben Tage später, nach reichlichen Erlebnissen an Land, verließ die LLOYD SYDNEY am 13. Juni gegen 21:30 h die Stadt.

Am 14.Juni um 10:00 h machten wir in Paranágua fest, einem kleinen Hafen zwischen Palmen und alten Lagerschuppen, wie man ihn aus Abenteuerromanen her kennt.

Am 15. Juni um 07:00 h verließen wir Paranágua schon wieder und trafen am 16. Juni, nach 2 ½ Stunden auf Reede, um 11:30 Uhr im brasilianischen Rio Grande do Sul ein.

Der Montag, 19. Juni, sah gegen 18:00 Uhr unser Schiff auf der Weiterfahrt den Rio de la Plata hinauf nach Buenos Aires, welches wir am 20. Juni um 21:00 h erreichten und wo wir erstmals auf die Reede gingen. Drei Tage mussten wir dort warten, konnten uns von den vielen Landgängen der letzten Wochen erholen, ehe wir am Freitag den 23 Juni um 15:30 Uhr einliefen. Wir lagen direkt im legendären Hafenviertel La Boca im Süden der Stadt, die leicht zu Fuß zu erreichen ist.

Am Sonntag, dem 25. Juni, fand in Buenos Aires, übrigens die zweitgrößte Metropole der spanischsprechenden Welt nach Mexico City, das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft statt, zwischen Gastgeber Argentinien und Holland.

Schon frühmorgens pilgerten wir in die Stadt, um in einer unsagbar überfüllten Bar das Spiel am Radio mitzuerleben. Die Straßen waren bis kurz vor dem Abpfiff menschenleer. Als "Gooooool-Argentina" aus allen Lautsprechern der Stadt schallte, ergoss sich ein Millionenheer in blau-weißen Farben in den Stadtkern Buenos Aires. Als der Schiedsrichter das Ende des Spieles signalisierte, wurde Argentinien das erste Mal Weltmeister.

Es gab nicht die geringste Chance, dem Tanzen, Singen und Trinken auch nur annähernd zu entkommen. Tage später lag das Land immer noch in einem Taumel des Feierns und der Freude, selbst im Hafen wurde mehr Tango getanzt als die Ladung der Schiffe gelöscht, so waren wir froh, als es am 30. Juni um 16:30 h wieder auf See ging und am Samstag Morgen, um 01:00 h an Montevideo vorbei, die endlose Weite und Stille des Atlantiks erreicht war.

Überaus ruhig und erholsam war die Reise bis Durban, wo die LLOYD SYDNEY am Dienstag, dem 11. Juli, um 01:00 h auf Reede ging und in der Frühe gegen 07:30 h einlief. Jetzt hatten wir eine Woche Zeit, spielten am Sonntag, dem 16.7. Fußball gegen eine südafrikanische Auswahl und verloren mit 2:4. Wir fuhren ins nahegelegene Land der Tausend Hügel, veranstalteten Grillabende an Bord sowie an Land und nutzten die Zeit zum Baden, ehe es am Dienstag, dem 18. Juli, um 19:00 h erneut in Richtung Australien ging.

Schon am 1. August um 05:00 machte unser Schiff nach einer ruhigen Überfahrt in Melbourne fest. Ich nutzte die Zeit für einen Ausflug in das trockene und buschige Umland.

Am 4. August ging es um 19:00 h weiter in Richtung Sydney, wo wir bereits am 6.8. früh um 07:30 Uhr einliefen. Wir besuchten den Taronga Park, den Zoo Sydney, die Blue Mountains und verloren im Fußball mit 2:3, erneut gegen eine russische Auswahl. Wegen eines Hafenarbeiterstreiks ging unsere Reise erst am 10. August gegen 21:00 h weiter.

Entlang der Küste, vorbei an kilometerlangen, menschenleeren Sandstränden, erreichte die Lloyd Sydney am 12.August um 07:00 h die Regierungsstadt des Staates Queensland, Brisbane. Wenige Stunden später waren wir schon auf einer kleinen Farm außerhalb der Stadt und nutzten die Zeit für einen ergiebigen Ausritt durch die Buschlandschaft, wobei eher die Pferde uns die Richtung vorgaben.

Am Montag dem 14. August um 21:30 h verließen wir Australien, durchfuhren die Tasmanische See, um am 18. August um 07:00 h den Hafen von Auckland, Neuseeland anzulaufen. Leider war unser Aufenthalt nur kurz, nach einem ruhigen Rundgang mit anschließendem Einkauf ging es schon am gleichen Tag um 23:00 Uhr weiter.

Die wunderschöne Lage und atemberaubende Schönheit dieser Stadt lässt vermuten, wie faszinierend das dahinter liegende Land sein muss.

Zurück durch die Bass Street, entlang Australiens Küste, quer über den indischen Ozean, brachte uns das Schiff erneut sicher an die südafrikanische Küste.

Am 5. September, nach langer Seereise, liefen wir gegen 07:00 Uhr Durban an, um 09:00 h war für mich an Bord die Reise zu Ende, ein Großteil der Besatzung verließ unsere LLOYD SYDNEY und begab sich auf den Weg zum Flughafen. Trotz der Freude auf die Heimat fiel der Abschied sehr schwer. Von Durban ging es über Johannesburg, Windhoek und Zürich nach Frankfurt und Hamburg.

MS OSTFRIESLAND 1978 - 79

Nach meiner ersten Reise auf der LLOYD SYDNEY hatte ich einen längeren Landurlaub. Im Dezember 1978 erhielt ich dann von der Reederei einen Anruf, dass ich auf MS OSTFRIESLAND einsteigen solle. Hierbei handelte es sich um einen Neubau, der zur Zeit noch in der Werft lag. Die alte OSTFRIESLAND war ja nach China verkauft worden. Am Dienstag, dem 21. Dezember, fuhr ich morgens um 7:00 h nach Kiel. Viel Arbeit wartete dort auf mich, denn alles war neu und noch teilweise verpackt. Am 23. Dezember um 7:00 h verließen wir den Hafen und durchquerten den schönen, von Kaiser Wilhelm errichteten Nord-Ostsee-Kanal. Um 22:00 h erreichten wir Bremerhaven, wo wir auch das Weihnachtsfest verbrachten. Leider konnte ich nicht nach Hause. Am 27.12. war um 18:00 h Auslaufen, und einen Tag später machten wir gegen 12:20 h in Rotterdam fest. Wir konnten jetzt schon feststellen, dass das neue Schiff nicht so ruhig durch die See fuhr, wie unsere alten, so geliebten Frachter. Am 30. Dezember verließen wir um 08:50 h Rotterdam. Im Ärmelkanal stellte ein Sturm den Neubau auf die Probe. Vieles an Bord ging kaputt, Zwischenwände wurden durch lose Ladungsteile eingedrückt. Sicher erreichten wir am Abend des 31. Dezember 1978 um 20:00 h den Hafen von Avonmouth, Bristol, in England. Es war die Zeit der Stürme in den nördlichen Meeren. Die Charter für Seatrain sollte uns aber bald in wärmere, südlichere Gefilde führen. Sylvester verlief relativ ruhig, und an einem verregneten Dienstagmorgen, dem 4. Januar 1979, verließen wir um 09:30 h England in Richtung Mittelmeer. Wieder erwischte uns ein wütendes Sturmtief. Es war nicht möglich zu schlafen, so schaukelte das Schiff, und wieder gab es Beschädigungen. Zur gleichen Zeit versank nicht weit von uns ein Kümo, wobei 15 Seeleute den Tod fanden. Nur ein Matrose konnte von herbeieilenden Schiffen gerettet werden. In der Biskaya hielt der Sturm noch an, als wenn er mit diesen armen Seelen nicht schon genug Opfer gefressen hatte. Erst vor der Küste Portugals klarte es auf, und die Sonne lachte vom Himmel, als wenn nichts geschehen wäre. Am Freitag, dem 7. Januar, passierten wir die Meerenge von Gibraltar. Deutlich war die berühmte Wassergewinnungsanlage der Engländer auf dem „Affenfelsen“ zu sehen. Am 9. Januar erreichten wir um 10:30 h mit unserem Schiff die Außenreede von Genua. Die Meldung, dass wir hier sechs Tage liegen sollten, passte unserer Charterfirma nicht, und somit fuhren wir um 19:30 h des Tages weiter in Richtung Ägypten. An Kreta vorbei fahrend, erfuhren wir, dass in Deutschland einer der heftigsten Winter seit vielen Jahren hereingebrochen war. Bei uns schien die Sonne, als wir am 13. Januar um 04:00 h in der Früh, einem Samstag, vor Port Said auf Reede gingen. In der Nacht, um 02:00 h, erfolgte die Einfahrt in den Suez-Kanal, 10:30 – 15:00 h Pause im Bitter-See, 19:00 h Ausfahrt Port Suez. Durch den Golf von Suez ging es in das von Schiffswracks übersäte Rote Meer. Unter strahlendem Sonnenschein machten wir das Schiff gegen 10:00 h am Dienstag, dem 16. Januar, im Saudi-Arabischen Hafen von Jiddah fest. Kurz nach dem Anlegen brach ein fürchterlicher Sturm los, wie man ihn hier seit Jahren nicht erlebt hatte. Es regnete in Kübeln, die Luft sah grün aus, und man konnte keinen Unterschied zwischen Erde und Himmel erkennen. Das Schiff riss sich von der Pier los, und alle Mann mußten an Deck, um zu helfen. Dann fing es auch noch an zu hageln, welches ich schmerzhaft auf meiner Haut verspürte, da ich mit an Deck half. Binnen von Minuten war alles vorbei, und die Sonne brannte wieder erbarmungslos hernieder. Ein einmaliges Naturschauspiel.

Am Donnerstag, dem 18. Januar, fuhren wir um 08:00 h aus dem Hafen heraus. Durch die Meerenge des Golfes von Aden, bei Djibouti und der Volksrepublik Yemen, durchquerten wir den Golf von Oman. Entlang der schroffen und felsigen Küste der Wüstenstaaten ging es weiter durch die berühmte Straße von Hormuz, zwischen dem Iran und Oman. Damit hatte unser Schiff den Persischen Golf erreicht. Die Hitze, die hier herrschte, war teilweise unerträglich. Das Deckpersonal durfte bis 17 Uhr Mittagspause machen, da es draußen unmenschlich heiß war. Danach wurden Teile des Oberdecks mit Wasser abgespült, da sich die Metallplatten so erwärmt hatten, dass man Spiegeleier darauf hätte braten können. Am Dienstag, dem 23. Januar, machte die OSTFRIESLAND gegen 17:00 h in Sharjah, Vereinigte Arabische Emirate, fest. Zu sehen, was für Städte als Folge des Ölsegens mitten in der Wüste entstanden sind, war mehr als beeindruckend. Am nächsten Tag liefen wir um 10:15 h aus und fuhren den langen Weg zurück Richtung Suez-Kanal.

Mittwoch, den 31. Januar, erreichten wir um 03:00 h die Reede von Port Suez. Tags darauf ging es um 00:50 h in den Kanal hinein, 04:15 im Bitter-See, weiter um 12:30, Port Said passierte unser Schiff am Nachmittag. Das Mittelmeer lag vor uns.

Am 3. Februar um 24:00 h, war unsere Charter bei Seatrain beendet, und das Schiff wurde gleich von Central Gulf Lines übernommen. Bei strahlendem Sonnenschein passierten wir an einem Sonntag die Meerenge zwischen dem italienischen Festland und Sizilien. Wunderschön war die Silhouette von Palermo und des Vulkans Ätna zu sehen. Vorbei an Korsika gingen wir am Montag, dem 4. Februar, gegen 17:00 h in Genua auf Reede und liefen am folgenden Tag um 12:00 h ein. Von diesem Hafen aus, startete ich mit drei Kollegen einen Ausflug nach Monaco. Wir blieben über das Wochenende in Monte Carlo in einem kleinen Hotel und schauten uns die Stadt an. Zurück ging es wieder entlang der wunderschönen Küstenstraße an der Cote Azur nach Genua. Am Montag, dem 19.02., liefen wir um 10:45 h aus, fuhren den herrlichen Weg mit dem Schiff längs der Küste Richtung Frankreich und machten abends am folgenden Tag um 21:00 h in Fos-sur-Mer, fest. Der Hafen von Fos-sur-Mer ist die Ergänzung des Marseiller Hafens, der zu klein war, um manche Waren und Schiffe, die über 300m lang waren, aufzunehmen. Man wollte aus Marseille das "Rotterdam des Südens" machen. Damals war die Hafenanlage gerade in ihrer Entstehung. Dieses Großprojekt ist bis heute nicht in seiner Gesamtheit durchgeführt worden, denn die geplante Fläche sowie die Industriekomplexe hatten pharaonische Ausmaße. Heutzutage nutzt man nur die Hälfte seiner Industriekapazität. 1979 war die Umgebung noch landschaftlich einmalig. Die Camargue, wunderschön in seiner Pflanzen- und Tierwelt, lud uns zu langen Spaziergängen ein, und in dem kleinen, nahegelegenen Ort genossen wir den Café au Lait in der warmen Mittelmeersonne. Einst war das Dorf Fos-sur-Mer von einer außergewöhnlichen, malerischen Landschaft umgeben. Das Land der Flamingos wurde einerseits von Sumpfgebieten, anderseits von der Trockenebene, der Crau, bestimmt. Die Naturlandschaft wurde danach nach Trockenlegung der Moorlandschaft durch Industriebauten ersetzt. Die Umwelt litt stark unter den schlimmen Folgen dieses Projektes. Die Fabriken verschmutzten Luft und Wasser, die Tiere flüchteten. Das ist Fos-sur-Mer heute. Donnerstag, den 22.Februar, liefen wir um 14:50 h aus. Wieder an Gibraltar vorbei, drangen wir mit der OSTFRIESLAND in die Tiefen des Atlantiks ein. Es wurde wieder etwas kälter, je weiter wir nach Norden kamen, aber die See blieb zum Glück ruhig.

Am Dienstag, dem 6. März, um 06:30 h in der Früh, passierten wir die Freiheitsstatue und machten im Schatten der Wolkenkratzer von New York fest. Schon am nächsten Tag war um 20:00 h Auslaufen, aber den Vormittag nutzte ich noch, um in die City zu fahren. Sprachlos und beeindruckt schaute ich mir die Metropole an. Welch meisterliche Bauwerke! Die Liegezeiten wurden immer kürzer, da unser Dampfer ein Containerschiff war. Da ich wusste, dass dieses die Zukunft der Seefahrt sein würde, kamen mir die ersten Überlegungen, meinen Job auf einem solchen Schiff in naher Zukunft zu beenden. Der Gedanke wurde beflügelt durch den nächsten Hafenaufenthalt. Am 8. März gingen wir vor Baltimore, Maryland, um 11:00 h auf die Reede. Um 07:00 h am folgenden Morgen liefen wir ein und schon wenige Stunden später, gegen 13:30 h, legten wir wieder ab. Kein Landgang!!!

Entlang der schönen Küste Floridas, vorbei an den Raketenabschussrampen von Cape Canaveral, an Fort Lauderdale und Miami, ging es durch die Inselwelt von Key West. Dort drang unser Schiff in den Mexikanischen Golf ein. Bei herrlichstem Sonnenschein, fuhren wir am Mittwoch, dem 14. März, an Galveston vorbei und machten um 15:30 h in Houston fest. Wiederum ging es schon am nächsten Tag um 18:00 h weiter, zurück durch die Galveston Bay in den Golf von Mexiko. Am Montag, dem 19.März, um 06:50 h liefen wir in Charleston, South Carolina, ein und wenig später um 16:00 h wieder aus. Gott sei Dank blieben wir im nächsten Hafen etwas länger. Am Mittwoch, dem 21. März, machten wir in Baltimore um 06:30 h fest. Einige Tage Landgang waren uns gegeben, um diese schöne Stadt zu besichtigen. Am 26.März um 19:45 h traten wir eine lange Reise zurück nach Ägypten an. Am 4.März durchfuhren wir, begleitet von Delfinen, die Meerenge von Gibraltar um 19:00 h. Tage später ging es dicht an Malta vorbei, und am 9.April, einem Montag, lagen wir vor Port Said erneut auf Reede.

Am nächsten Tag um 06.00 h ging es in den Kanal, 14:00 h Bitter See, 18:00 h weiter, 01:00 wieder raus. Den Suez-Kanal zur damaligen Zeit zu durchfahren, war ein Erlebnis. Gesäumt vom Wüstensand gab es an dieser Durchfahrt viel zu sehen. Von den Kriegen zwischen Ägypten und Israel standen dicht an den Ufern noch zerbombte Panzer, und jedes Haus war übersät von Einschusslöchern gewaltiger Granaten. Da der Kanal sehr schmal war, konnten die Schiffe ihn immer nur in einer Richtung passieren. Im Norden bei Port Said und im Süden in Port Suez fuhren die Dampfer in Kolonnen ein. Der große Bitter-See, circa in der Mitte der Passage, war Treffpunkt. Er bot genug Platz, dass die Schiffe aneinander vorbei konnten, damit sie ihre Fahrt weiterführen konnten. Dadurch entstanden die Wartezeiten in diesem See, weil man immer auf die entgegenkommenden Schiffe warten mußte. Für die Durchquerung musste immer Ägyptisches Personal an Bord genommen werden. Das war zwar unnötig, galt aber als Arbeitsbeschäftigung. Leider waren diese Menschen oft sehr unangenehm, und wir mußten unsere Kabinen immer verschließen. Oft kam es auch zu sehr unsittlichen Angeboten, besonders für uns junge Burschen an Bord. Am Donnerstag, dem 12. April, erreichten wir um 16:00 h wiederum Jeddah in Saudi Arabien. Freitag liefen wir um 18:00 h schon wieder aus. Am Donnerstag Morgen, den 19.April, passierte die OSTFRIESLAND Katar und Bahrain, und gegen 17:00 h lagen wir auf Reede vor Ad Dammam. Um 23:00 h war das Schiff fest. Am 20.04. um 24:00 h hieß es wieder auslaufen. Sonnabend, den 21.April, gingen wir gegen 18:00 h auf Reede vor Dubai. Wir nutzten den warmen Abend, um ein wenig zu angeln. Hierzu hingen wir riesige Sonnenbrenner an die Bordwand, und durch den gewaltigen Lichtstrahl, wurden nicht nur Fische, sondern auch eine Unmenge von hier beheimateten Wasserschlangen angelockt. Zum Schwimmen traute sich keiner von uns in das Wasser.

Am Sonntag um 04:20 h war dann Einlaufen, und um 11:40 h ging es schon wieder weiter. Landgang war nicht möglich. Das war für mich keine Seefahrt mehr. Ich fasste endgültig den Entschluß, mir eine Arbeit an Land zu besorgen. Die neuen Containerterminals lagen weit außerhalb der Stadt, und das Be- und Entladen von Containern ging im Minutentakt. Lange Liegezeiten waren ausgeschlossen.

So ging es auch weiter. Am 27. April liefen wir um 13:00 h in Jeddah ein und am selben Tag um 22:00 h wieder aus. Am Sonntag, dem 29. April, lagen wir wieder ab 11:00 h auf Reede vor Port Suez. Am folgenden Tag ging es um 08:00 h in den Kanal, den Bitter-See erreichten wir um 11:30 h, und weiter ging es um 15:30 h. Um 22:00 h passierten wir Port Said und fuhren in das Mittelmeer. Diese Durchfahrt war sehr aufregend, weil zum erstenmal seit dem Sechstagekrieg ein israelischer Dampfer den Kanal durchquerte. Das MS „CHALUP“ fuhr genau hinter unserem Schiff, und wir waren alle etwas nervös, dass auch nichts passiere. Am Freitag, dem 4. Mai, machten wir um 16:00 h wieder in Fos-sur-Mer fest. Der Frühling war auch in Europa eingezogen, und wir nutzten die Zeit für einige schöne Ausflüge. An einem Montag, dem 7. April, verließen wir Frankreich um 22:00 h in Richtung Vereinigte Staaten. Vor der spanischen Küste drehte Kapitän Kemper mit dem Schiff eine Ehrenrunde, weil er dort zu der Zeit ein Haus hatte. Seine Familie und der halbe Ort beobachteten das Manöver vom Ufer aus.

Am Freitag, dem 18. Mai, war die OSTFRIESLAND um 16:10 h in Baltimore fest, doch schon um 19:40 h ging es weiter nach Charleston, wo wir am 20.05. auf Reede gingen und kurz darauf um 10:20 h einliefen. Einige Stunden konnten wir an Land in dieser ruhigen, wunderschönen Stadt mit Südstaatenflair verbringen. Charlston ist eine typisch amerikanische Kleinstadt, wie man sie aus dem Fernseher kennt, mit zum Teil aus Holz erstellten Häusern. Am 21. Mai, einem Montag, fuhren wir um 20:45 h zurück nach Baltimore, wo wir am 23.05. um 6:00 h einliefen und ab 21:30 h wieder unsere weite Reise über den Atlantik antraten.

Am 29. Mai, einem Dienstag, passierten wir die Inselwelt der Azoren. Eine vom Bootsmann gebaute Postboje wurde hier abgeworfen. In diese Bojen werden Briefe an die Lieben daheim abgelegt, zusätzlich etwas Geld für Porto, ein paar Flaschen Schnaps und Zigaretten. Mit Glück werden sie dann von einem heimischen Fischer aus dem Wasser geangelt und auf einer Insel zur Post gebracht. Es ist immer ein kleines Glücksspiel, aber alle Briefe sind angekommen. Am 1. Juni passierten wir erneut Gibraltar, und am 6. Juni um 12:30 h lagen wir auf Reede vor Port Said. Am Donnerstag, dem 7. Juni, ging es nachts um 03:00 h in den Kanal. 10:20 – 14:30 h Bitter-See, 18:30 in Port Suez wieder raus. Jeddah erreichte die OSTFRIESLAND am Samstag, dem 9. Juni, um 08:30 h, am nächsten Tag hieß es Auslaufen um 15:30 h.

Erneut ging es in den persischen Golf Richtung Emirate, so dass wir am 16. Juni, einem Samstag, um 11:50 h in Ad Dammam einlaufen konnten. Der folgende Tag ließ uns um 04:15 h auslaufen und um 22:45 h in Dubai festmachen. Keine Zeit für Ausflüge, da es frühmorgens gegen 10:00 h Richtung Heimat ging. Am 23.Juni machten wir um 18:15 h nochmals in Jiddah fest. Schon in der Nacht um 02:10 h setzten wir die Fahrt fort. Am 25.06. lagen wir ab 15:00 h zuerst auf der Außen- und dann Innenreede vor dem Suezkanal.

Dienstag, den 26.Juni, liefen wir um 06:30 ein, ankerten von 10:00 bis 12:30 h im Bitter-See, nutzten die Zeit für ein Bootsmanöver und verließen den Kanal bei Port Said um 19:40 h. An einem Freitag, dem 29.06., passierten wir bei strahlendem Sonnenschein die Insel Elba und gingen um 20:50 h auf Reede vor Livorno in Italien. Der nächste frühe Morgen sah unser Schiff um 07:10 h einlaufen. Am Montag, dem 2. Juli, um 22:00 h, war Auslaufen angesagt, und somit erreichten wir zum letzten Mal auf dieser Reise, am Dienstag, dem 3. Juli um 17:30 h Fos-sur-Mer, in Frankreich.

Der Seesack war schnell gepackt, und gegen 20:00 ging ein Teil der Crew, mit mir zusammen, von Bord. Ein letzter Blick auf das Schiff, welches ein halbes Jahr meine Heimat war. Wir verbrachten die Nacht in einem schönen Hotel in Marseilles, und nach wenigen Stunden Schlaf stand ich am folgenden Morgen um 08:30 h schon wieder auf. Mittags flogen wir über Lyon nach Frankfurt, dort hieß es by by zu sagen zu den meisten Kameraden, und meine Maschine ging weiter nach Hannover.

MS WESER 1979

Anfang September erhielt ich von meiner Reederei einen Anruf, dass ich auf dem Kümo MS WESER einsteigen solle. Dieses hat mich sehr verärgert, da ich zur See fuhr, um etwas von der Welt zu sehen und nicht in der Nordsee rumschippern wollte. Dass dieses aber nur ein kurzes Zwischenspiel werden sollte, damit ich wieder auf der LLOYD SYDNEY eingesetzt werden könnte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Am Donnerstag, dem 13. September 1979, hieß es Abschied nehmen, und ich fuhr nach Hamburg, wo mein MS WESER im Hafen lag. Mensch, war das ein kleines Schiff. Schon am folgenden Tag war um 07:15 h Auslaufen. Wir hatten noch nicht ganz die Elbmündung erreicht, da wurde ich auch schon seekrank. Der kleine Kahn wälzte sich durch die See, dass mir alles verging. Wenn man achtern aus der Kombüse schaute, sah man wechselweise nur Himmel oder Wasser, so schwer stampfte die WESER durch die Wellenkämme. Wider meiner Erwartung überlebte ich, und am folgenden Tag liefen wir um 10:00 h in Rotterdam ein. Gegen 15:00 h ging es dann schon wieder weiter. Die Pause reichte aber, mich zu erholen. Die Seekrankheit war verflogen. Am 16. September machte das Schiff um 11:15 h in Bremerhaven fest und fuhr am folgenden Tag um 13:00 weiter, erneut nach Rotterdam, wo wir am Dienstag, dem 18. September, um 13:30 anlegten. Bei den Liegezeiten handelte es sich immer nur um Stunden. Es gab kaum Zeit, um in die Stadt zu gehen oder einen Ausflug zu machen. Diesmal blieben wir zwar über Nacht, aber in der Früh um 05:30 h hieß es schon wieder „Leinen los“.

Über den englischen Kanal ging es nach Southampton, wo wir am 20.September um 03:00 h festmachten, aber auch schon kurz nach dem Nachmittagstee um 16:00 h weiter fuhren. Am Freitag lagen wir um 10:10 h schon wieder an der Pier von Rotterdam, welches wir in der Nacht zum Samstag gegen 00:15 h wieder verließen und am selben Tag um 19:00 h Southampton anliefen. Für ein paar Stunden konnte ich hier mit Freunden an Land gehen, da aber Dienstbeginn schon wieder um sechs Uhr in der Früh war, fand ich den Weg in meine Koje nicht allzu spät. Die Backschaft erledigte sich nicht von selbst. An einem nasskalten Sonntag fuhren wir um 12:10 h aus dem Hafen und erreichten nach Durchquerung der Irischen See am Montag, dem 24. September, um 18:00 h Dublin. Am folgenden Tag um 15:20 h wieder raus, fuhren wir entlang der phantastisch grünen Insel und machten in Belfast gegen 23:50 h fest.

Da zur Sicherung des Hafens viele Soldaten mit Maschinengewehren an der Pier standen, wagte ich es erst gar nicht, an Land zu gehen. Außerdem wurde es immer kälter und ich sehnte mich nach wärmeren Ländern. Am Mittwoch um 15:10 h verließen wir die nordirische Hauptstadt und machten gegen 24:00 h erneut in Dublin fest. In der Mittagspause trank ich mein erstes Guinness in einem Pub. Am 27. September war abends um 22:40 h Auslaufen. Ein kleines Schiff ist schnell be- und entladen. Die irische See schaukelte uns wieder heftig durch, und ich war froh, dass die WESER am Samstag wieder um 09:50 h fest in Southampton lag. Knapp fünf Stunden später, gegen 14:50 h, ging die Reise aber schon weiter. Mittlerweile hatte mir der Käptn schon mitgeteilt, dass meine Reise in Hamburg zu Ende sei und ich wieder auf die LLOYD SYDNEY könne, als Einziger übrigens von der Besatzung der ersten Reise. Die Freude war riesig, obwohl ich mich jetzt inzwischen auf dem Kümo sehr wohl fühlte. Manchmal habe ich auch das Essen für die Crew zubereitet, da unser Koch nicht ganz trinkfest war und an einigen Tagen erst am Nachmittag aus der Koje gekrabbelt kam. Dass es als Hauptmahlzeit Spiegeleier gab, hat keinen gestört. Sonntag um 07:40 h lagen wir in Antwerpen und fuhren am Montag, dem 1. Oktober, um 12:10 h weiter Richtung Heimat. Dienstag 14:20 h Leinen fest in Bremerhaven und Mittwoch um 02:30 h wieder raus. Kurz in die Elbe eingebogen, an Schulau vorbei, 11:00 h fest in Hamburg.

Wieder mal hieß es Abschied nehmen, was immer traurig war. Ein Mitarbeiter von unserem Kontor fuhr mich zum Konsulat von Südafrika, da ich ein Visum beantragen musste. Gegen 18:00 h saß ich im Zug nach Hannover und hatte Zeit, mich auf die nächste Reise, die schon am 9. Oktober beginnen sollte, vorzubereiten (siehe 2. Reise der Lloyd Sydney).

Die Reise auf der Lloyd Sydney 1979-80

Anfang September 1979 heuerte ich erneut an. Vier Wochen machte ich eine Reise auf dem Küstenmotorschiff WESER und dachte schon, meine Zeiten auf Großer Fahrt wären vorbei. In der Nordsee zu schippern war nicht das, was ich mir von der Seefahrt vorstellte. Das Glück blieb mir in meiner kurzen Fahrenszeit aber hold. Der Einsatz auf diesem Schiff hatte nur das Ziel, dass mich meine Reederei wieder in die Welt schicken konnte. Ich vergesse nie den Morgen, als Käpt‘n Behrens zu mir kam und sagte, „Mensch Skippy, du willst uns schon wieder verlassen?“ Dann las er mir ein Telex von Bugsier vor, dass ich noch mal für ein paar Tage nach Hause sollte und dann erneut auf meinem Traumschiff, dem MS LLOYD SYDNEY anheuern durfte.

Ich war der Einzige von der alten Crew, der zurückkehrte. Später erfuhr ich, dass viele Leute auf dem Kontor in ihrer Planung daran gearbeitet hatten, dass ich wieder auf meine alte Liebe durfte. Voller Vorfreude, aber mit ein wenig Wehmut, verließ ich die MS WESER mit den tollen Kameraden.

Schon am Dienstag, dem 9.Oktober flog ich ab Frankfurt Richtung Südafrika. Nach einer kurzen Zwischenlandung in Nairobi überflog ich am folgenden Tag den schneebedeckten Gipfel des Kilimandjaro. Nach Stunden erreichte das Flugzeug Johannesburg, von dort ging es weiter nach Durban, wo ich dann an Bord ging. Die Freude war sehr groß wieder auf „meinem“ Schiff zu sein. In der noch ausstehenden Liegezeit konnte ich mich mit vielen alten Freunden wieder treffen. Auch an Bord traf ich viele alte Bekannte von früheren Schiffen.

Sofort organisierte ich für uns ein Fußballspiel, das wir gegen einen norwegischen Dampfer mit 6:3 gewannen. Hierbei erzielte ich in meinem Comeback drei Tore. Auch einige Barbecue-Abende im Seemannsheim der Familie Schmidt wurden durchgeführt. Der wohl bekannteste Ort der Welt für Seeleute. Viele Seeleute, die ich auf meinen Reisen traf, konnten sich an die Gastfreundlichkeit erinnern und natürlich an die Hündin Philia, die wohl mal ein Seehund werden sollte, so viele Stunden verbrachte sie im Pool der Schmidts.

Am Dienstag, dem 16. Oktober, ging es endlich los und wir verließen um 22:30 h Durban, traten die lange Reise nach Südamerika an. Schon zwei Tage später durchfuhren wir ein furchtbares Sturmtief, durch das sich unser Schiff mühsam und schwer stampfend quälte. Die raue See ließ uns alle spüren, wer hier draußen das Sagen hat.

Am Samstag, dem 27.Oktober, passierten wir gegen 9:30 h Montevideo und fuhren den Rio de la Plata stromaufwärts Richtung Argentinien, wo wir um 17:00 Uhr auf Reede vor Buenos Aires gingen.

Nach einigen Tagen der Ruhe machten wir am Dienstag, dem 30.Oktober, um 15:00 h in der südamerikanischen Millionenmetropole die Leinen fest.

Am Freitag, dem 2.November, 19:35 h, verließen wir unseren Liegeplatz und erreichten am darauf folgenden Tag die Reede des brasilianischen Ortes Rio Grande do Sul gegen 10:30 h. Am Sonntag verholten wir um 7:00 auf die Innenrede und liefen endlich um 10:00 Uhr in den Hafen ein. Zu dieser Zeit war es sehr heiß. Nachts, wenn man eigentlich schlafen wollte, klangen die verschiedensten Geräusche aus dem nahen Regenwald durch das weit geöffnete Bullauge. Gerade nachts erwacht der Urwald zum Leben.

Am Abend erhielt ich ein Telegramm von meinen Eltern, über das ich mich sehr freute. Schon einen Tag später ging die Reise weiter, um 13:30 h legten wir ab und erreichten am Dienstag, dem 6. November, um 20:00 h die Reede von Paranagua. Am folgenden Tag war um 8:30 h Einlaufen. Ein kleines ruhiges Städtchen. Am folgenden Freitag hieß es gegen 18:15 h „Leinen los“ und ab Richtung Rio.

Samstag, den 10.November, fiel um 14:00 h der Anker vor Rio und schon um 15:30 h war Einlaufen. Eine ganze Woche lag unser Schiff in Rio de Janeiro. Wir konnten die Zeit für einige Ausflüge an die Copacabana nutzen und uns unter die Schönheiten am Zuckerhut mischen. Das pulsierende Leben in dieser atemberaubenden Stadt steckte jeden an Bord an, und so manch einer an Bord verlor sein Herz an eine Brasilianerin.

Am Samstag, dem 17.November, verließen wir gegen 12:15 h diesen wunderschönen Ort und erreichten gegen 23:00 Uhr die Reede von Santos. Am folgenden Morgen lief die LLOYD SYDNEY um 7:20 Uhr ein. Sofort begann das hektische Treiben an Bord, als das Schiff be- und entladen wurde und viele fremde Gesichter durch die Gänge huschten. Auch hier hatten wir eine lange Liegezeit und nutzten sie für Kurztrips an die Strände in der Umgebung oder Busreisen nach Sao Paulo. Hier bestritten wir ein weiteres Fußballspiel. Gegner war diesmal ein deutsches Schiff, die legendäre CAP SAN DIEGO, die einige Jahre zuvor deutscher Schiffsmeister in dieser Sportart war. Wir trennten uns gerecht 1:1, wobei ich den Ausgleich erzielen konnte.

Am Samstag, dem 1. Dezember, um 12:00 h verließen wir Santos und erreichten am Sonntag gegen 21:30 h erneut die Reede von Rio Grande do Sul, wo wir am folgenden Tag um 17:00 h festmachten. Es fanden noch einige Arbeiten an der Außenwand des Schiffes statt, denn der Rost kannte keine Ruhepause und nagte gnadenlos an der LLOYD SYDNEY.

Am Donnerstag, dem 6. Dezember, ging es um 10:00 h weiter und ich hatte die längste Seereise meines Lebens vor mir. Unser Ziel hieß Australien. Da die Reise um das südliche Ende von Amerika ging, wollten wir wie fast alle Schiffe die Magellan-Straße zunächst durchqueren. Hierfür benötigt man aber einen erfahrenen Lotsen, der einen sicher durch die Meerengen führt und dann wieder in Valparaiso in Chile abgesetzt werden muss. Hierbei geht viel Zeit verloren da die Stadt sehr weit nördlich liegt und da die Wettervorhersage uns eine ruhige See prophezeite, entschied sich unser Kapitän kurzerhand, das berüchtigte Kap Hoorn zu umfahren. Es ersparte uns nicht nur viel Zeit, sondern würde uns Seeleuten auch ein einmaliges Erlebnis bescheren. Durch die riesige Mündung des brackigen Wassers vom Rio de la Plata passierten wir steuerbordseits die Falkland Inseln. Die Luft wurde merklich kühler und am Morgen des 10. Dezembers war es so weit.

Um 4:00 h in der Frühe wurde ich von einem Brückenmitglied geweckt. Kap Hoorn war in Sicht. Um diese Zeit war es schon taghell. Dick in Winterkleidung eingepackt, bewunderte ich von der Nock aus diesen weltberühmten Punkt der Erde. In Gedanken an die vielen Fahrensleute, die hier ihr Leben in verzweifelten Kämpfen gegen die raue See ließen, starrte ich gebannt auf die schroffen Felsen. Ich war mir sicher, dass dieses ein für mich nicht wiederkehrender Augenblick sein würde. Es wurde auch immer kälter, wir bewegten uns jetzt ja schon im Polarmeer. Zeitweise hatten wir sogar Schneefall. In der Ferne glänzten einige Eisberge, um die unser Alter aber respektvoll große Bögen fuhr, um das Schiff nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Ein paar Tage später durchfuhren wir doch noch ein heftiges Sturmtief, welches mir noch sehr gut in Erinnerung ist.


Der eisige Wind entfernte sich aber wieder rasch und mit jedem Tag wurde es merklich wärmer, und das Wasser immer grüner. Weit nördlich von uns lagen die Südsee-Inseln. So durchfuhren wir den Pazifik und wussten, dass Tausende von Seemeilen im Umkreis kein Festland in der Nähe war. Wenn man mit einem Schiff in Richtung Westen fährt, wird jeden Tag eine Stunde zurückgestellt, um den Zeitunterschied aufzufangen. So kam es, dass wir im Dezember die Datumsgrenze überfuhren. Als ich am Donnerstagabend, den 19. Dezember, in meine Koje ging und am nächsten Morgen wieder aufstand, hatten wir schon den 21.12. Somit habe ich, genau genommen, den 20. Dezember 1979 nicht erlebt. Die Datumsgrenze führte schon oft zu Verwirrungen, so dass Schiffe zu früh oder später an ihrem Ankunftsort eintrafen, da man dieses Phänomen in seinen Vorausberechnungen nicht bedacht hatte. Am selben Tag kamen noch die zu Neuseeland gehörenden Chatham-Inseln in Sichtweite. Der Pazifik war damit erfolgreich passiert. Viel weiter weg von Deutschland kann man sich kaum befinden.

Einen Tag später durchquerte unsere LLOYD SYDNEY die Cook Street, die Meerenge zwischen der neuseeländischen Nord- und Südinsel. Ein stürmischer Wind durchfuhr die Passage und schaukelte unsere alte Lady heftig durch. Durch abfallende Winde herrscht hier immer ein rauer Seegang. In der Ferne sahen wir das mächtige Bergmassive des Mount Tapuaenuka, das mit seiner Höhe von 2885 Metern ganzjährig mit Schnee bedeckt ist. Obwohl unser Schiff an Geschwindigkeit alles gab, reichte es nicht aus, um rechtzeitig in Australien zu sein, und wir mussten den Heiligabend auf See verbringen. Ein gemütlicher Grillabend bei sommerlichen Temperaturen war auch gleichzeitig der Abschluss einer langen Überfahrt. Am Dienstag, dem 25. Dezember, durchfuhren wir dann die Port-Phillip-Bay und machten unser Schiff gegen 23:00 Uhr in Melbourne fest.

Über eine Woche hatten wir Zeit, uns die Regierungsstadt von Victoria anzuschauen. Ich selbst nutzte die Zeit, um mit australischen Freunden einige Fahrten durch nah gelegene Nationalparks zu machen. Ein weiteres unvergessliches Ereignis war die Sylvesternacht, die, so üblich in Australien, mit Hunderttausenden von fröhlichen Menschen auf den Straßen verbracht wird. Bis Donnerstag, den 3. Januar, konnte sich die Crew vom Feiern erholen, dann verließ die MS LLOYD SYDNEY gegen 18:25 h Melbourne Richtung Sydney. Entlang der atemberaubenden Küste Australiens, den steilen Küsten und schroffen Felsen, erschien am frühen Morgen des folgenden Samstag die Skyline Sydneys mit ihrem berühmten Opernhaus.

Nach dem Unterfahren der Habour Bridge machte die LLOYD SYDNEY um 9:45 h die Leinen fest. Auch hier war genügend Zeit, um sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen und einige Ausflüge zu machen. Der Liegeplatz war nur fünf Minuten von der City entfernt, so konnten wir jede freie Zeit für einen Landgang nutzen.

Am Freitag, dem 11. Januar, ging es um 23:50 h weiter, und zum Frühstück am nächsten Tag lag das Schiff schon wieder sicher vertäut ab 6:30 h im Hafen von Newcastle. Da die Beach dort sehr nah ist, verbrachten wir die meiste freie Zeit mit Baden. Dienstag, dem 15. Januar ging es aber um 6:40 weiter. Entlang der Gold Coast erreichte das Schiff um 10:50 h die Reede von Brisbane und machte kurze Zeit später gegen 15:00 Uhr die Leinen fest.

Den Aufenthalt nutzte ich für einen Kurztrip nach Surfers Paradise, dem Las Vegas Australiens. Die breiten, endlosen Strände mit ihrem weißen Sand sind für einen Europäer schon etwas ganz Besonderes.

Am folgenden Samstag, dem 19. Januar, liefen wir um 15:10 h wieder aus in Richtung Neuseeland, wo die LLOYD SYDNEY am Dienstag, 22. Januar, um 20:30 auf Innenreede in Auckland vor Anker ging. Am nächsten Morgen machten wir um 7:30 h das Schiff fest. Auch hier hatten wir eine längere Liegezeit vor uns.

Unser Kapitän beschloss, mit der gesamten Crew einen Ausflug zu machen. Wir mieteten uns einen Bus und fuhren die gesamte Nordinsel ab. Neuseeland ist in seiner landschaftlichen Vielfalt einmalig. Tropische Wälder grenzen an Berge, auf denen ganzjährig Schnee liegt. Geysire, die stündlich heißes Wasser meterhoch ausstoßen und Seen mit 30 Grad heißem Wasser konnten wir dabei bewundern.

Am Freitag, dem 1. Februar, hieß es um 15:35 h auslaufen. Durch die Bass Street zwischen Tasmanien und dem australischen Festland ging es zurück nach Melbourne, wo wir am 5.02. um 13:30 h anlegten. Da die Hafenarbeiter mal wieder streikten, was uns sehr freute, hatten wir wieder eine längere Liegezeit und reichlich Landgang. Das Wasser im Hafen war zu der Zeit so sauber, dass wir sogar hier schwimmen gingen.

Am Freitag, dem 15. Februar, ging unsere Reise weiter. Um 7:25 h verließen wir Australien mit dem Ziel Südafrika. Unter hervorragenden Wetterbedingungen mit strahlendem Sonnenschein, begann eine weitere Überquerung des Indischen Ozeans.

Nach einer kurzweiligen Reise erreichte die LLOYD SYDNEY am Donnerstag, dem 28. Februar, um 11:00 h Durban. Nach genau 136 Tagen war unser Schiff am Ausgangsort seiner Reise rund um die Welt angelangt. Einmal auf dem Meer um die Erde fahren, wer hat als kleiner Junge nicht schon einmal davon geträumt. Jedes Bordmitglied erhielt eine Urkunde für dieses Ereignis, welches selbst bei der Handelsmarine nicht alltäglich ist. Stolz feierten wir diesen Anlass auf dem Achterdeck.

Die weitere Überfahrt nach Südamerika würde meine letzte Überquerung eines Ozeans sein. Nach dieser Reise wollte ich eine Lehre an Land beginnen, und es war mir jetzt schon klar, dass ich nie wieder in meinem Leben solche Dinge erleben würde wie auf diesen meinen weiten Reisen.

Am Donnerstag, dem 6. März machten wir um 11:45 Uhr in Durban die Leinen los. Entlang der traumhaften südafrikanischen Küste, vorbei am Kap der Guten Hoffnung und entlang der Silhouette von Kapstadt, drang die LLOYD SYDNEY in die unendlichen Weiten des atlantischen Ozeans ein.

Auf halbem Weg durchquerten wir nochmals ein Unwetter. Schwere Seen machten ein Schlafen unmöglich, und oft wurde es mir schon mulmig, wenn der Dampfer so weit überholte. Ein guter Kapitän und mein zuverlässiges Schiff gaben aber wiederholt keinen Anlass zur Sorge. Am Montag, dem 17. März, kam um 12:30 der Lotse nahe der Mündung des Rio de la Plata an Bord und um 20:30 h lagen wir auf Reede vor der Küste Argentiniens. Schon um 10:00 h hieß es Einlaufen Buenos Aires, und ich hatte eine Woche Zeit, diese Stadt zu genießen und mich von ihr zu verabschieden.

Dienstag, den 25.03. gingen um 20:40 h die Maschinen an und die LLOYD SYDNEY verließ Argentinien. Vorbei an Montevideo fuhren wir die Küste Brasiliens entlang und liefen am folgenden Freitag, nachts um 2:30 h, in Paranagua ein. Ein kleiner Stadtbummel und ein Treffen mit Bekannten von der letzten Reise, dann ging es schon wieder weiter. Samstag, den 29.03. verließen wir mit unserem Schiff die vom Urwald umgebene Stadt gegen 15:50 h. Strahlender Sonnenschein begleitete uns an einem herrlichen Sonntagvormittag, als die MS LLOYD SYDNEY den Zuckerhut passierte und um 12:30 h ihre Leinen in Rio de Janeiro fest machte.

Als das beruhigende Brummen der Maschinen an diesem 30. März 1980 erlosch, wusste ich, dass dieses meine letzte Fahrt als Seemann war. Dass ich mit aller Wahrscheinlichkeit nie wieder ein Meer überqueren würde oder mit einem Frachter sicher einen Sturm durchdampfe, nie mehr in einer schaukelnden Koje liegen oder die unbeschreiblichen Sonnenuntergänge auf hoher See von der Brücke aus beobachten kann, schnürten mir mein Seemannsherz ein.

Über eine Woche hatte ich noch Zeit, eine der schönsten Städte dieser Erde zu erkunden, bis der Tag meiner Heimreise immer näher kam. Am Mittwoch, dem 9. April, hieß es Abschied nehmen, nicht nur von meinen tollen Kameraden, die alle an der Gangway standen. Auch meiner geliebten LLOYD SYDNEY mußte ich Lebewohl sagen. Sie mußte jetzt ihre Reisen ohne mich machen. Ich war den Tränen nah, als mein Taxi in Richtung Flughafen fuhr und mein Schiff hinter den endlosen Lagerhallen verschwand.

Um 18:30 h hoben wir in Richtung Europa ab. Am nächsten Tag erreichte ich um 11:00 h Frankfurt und von dort ging es weiter nach Hannover, wo das Flugzeug um 13:40 h landete. Das Kapitel Seefahrt war damit in meinem noch jungen Leben beendet. Viele Jahre noch durchkreuzte die LLOYD SYDNEY die Weltmeere und oft war ich in meinen Gedanken auf ihr.

1989 und 1991 verbrachte ich meine Urlaube in Rio de Janeiro, 1999 und 2000 bereiste ich mit meiner Frau Südafrika. Dabei besuchten wir natürlich auch Städte wie Durban, Port Elisabeth, East London und Kapstadt. Mit der Familie des Seemannspastors aus Durban, Dieter Schmidt, bin ich noch heute befreundet. Auch dort verbrachten wir einige Tage.

2001 war ich dann wieder in Australien, natürlich auch in Sydney und Melbourne. Einige Stunden meiner Zeit verbrachte ich dabei in den Hafenanlagen und gedachte der Zeit, als ich mit meinem Schiff hier lag. Ich sah mich selbst als jungen Menschen von der Gangway laufen, traf gedanklich alte Kameraden wieder und hörte das Schiffshorn der LLOYD SYDNEY. Diese Reisen zu den alt bekannten Orten waren Ausflüge in die Vergangenheit für mich und sehr bewegende Augenblicke.

Heute, im Rückblick, kann ich sagen, dass die drei Jahre, die ich zur See gefahren bin, zu den schönsten Momenten meines Lebens zählen. Nach meiner wunderbaren Frau Sabine war die LLOYD SYDNEY die große Liebe meines Lebens, und ich bin dankbar für diese wundervolle Zeit, die ich auf dem Schiff verbringen durfte.


Seefahrer-Kollegen die mir in guter Erinnerung geblieben sind:

Ohne Walter Bähr wäre ich wohl nie zur Seefahrt gekommen. Als ich noch ein kleiner Junge war, haben mich seine Geschichten aus der Ferne begeistert. Nachdem ich das entsprechende Alter erreicht hatte, fragte ich ihn, ob er mich nicht auf einem Schiff unterbringen könne. Viele Reisen machte ich mit Walter zusammen, und ich erinnere mich gerne an den Spaß, den wir hatten, wenn er mir die schönen Orte auf dieser Welt zeigte. Er war immer ein guter Freund und in der Zeit an Bord ein hervorragender und gerechter Chef. Heute lebt Walter auch in Hannover, und ab und zu sehen wir uns und träumen von vergangenen, nie wiederkehrenden Zeiten.

Als ich mit der Seefahrt begann, arbeitete ich zuerst mit dem aus Österreich stammenden 2. Stewart Johann Reitbauer zusammen. Johann brachte mir vieles bei und nahm mir die Furcht vor dem „Ungewissen“. Wir teilten eine Kammer und kamen prima miteinander aus. In der langen Liegezeit in Hamburg freundete er sich mit meinem Opa an, der uns oft besuchte. Johann weckte bei ihm so sehr die Begeisterung, dass Opa Max gleich einsteigen wollte, um seinen Lebensabend auf See zu verbringen.

Der zu meiner Fahrenszeit als Reiniger arbeitende Peter Skoropsky, genannt „Zappa“ ist der Einzige, der seit meinem Abschied von der See 1980 bis heute den Kontakt zu mir erhalten hat. Peter, der auch meinen Spitznamen „Skippy“ für mich festlegte, und ich hatten viel Spaß bei unseren gemeinsamen Landgängen. Besonders gerne erinnere ich mich an einen Tag in Australien, als wir uns auf einer Farm in Australien ein paar Pferde liehen. Bei dem Ausritt, machten die Gäule mit uns, was sie wollten und jagten uns wild galoppierend durch die Wildnis. Wir waren froh, als wir wieder Schiffsplanken unter den Füßen hatten. Peter arbeitet heute noch auf einem Schlepper im Hamburger Hafen, wo ich ihn auch einmal besucht habe. Er hat sich kaum verändert.

Andreas Niemczyk war zu meiner Zeit 2. Offizier an Bord. Seine lockere und leichte Art, mit Menschen umzugehen, erleichterte das Leben für uns junge Burschen an Bord immens. Er hatte zu jeder Zeit ein offenes Ohr für unsere Probleme, und da viele von uns noch nicht 18 Jahre alt waren, drückte er so manches Mal ein Auge zu, wenn unsere Landausflüge länger als bis 22:00 h gingen. Andreas lebt heute mit seiner bezaubernden Frau Irene in der Nähe von Hamburg, und seit einiger Zeit stehen wir wieder in engerem Kontakt. In seiner lustigen Art und auch in seinem Aussehen, hat er sich kein bisschen zu früher verändert. Dass er auf dem Schiff immer seekrank wurde, traute er sich mir erst jetzt zu gestehen.

Der spanische Matrose José Maria Martinez Pineiro, aus der Stadt Gijon, wird auch in guter Erinnerung bleiben. Viele Stunden verbrachten wir gemeinsam. Nie vergessen werde ich, wie Josè, dank seiner gewaltigen Körperfülle, in den Tropen schwitzte. Unter seinem Sitzplatz in der Mannschaftsmesse war immer eine große Lache. Ich wurde mal von einem Ägypter massiv im Suez-Kanal belästigt. Als ich dieses in der Messe kurz darauf erzählte, sprang José, Messer und Gabel fallend lassend, vom Tisch auf und stürzte sich in Richtung des an Bord befindlichen Mannes. Der ergriff die Flucht und rannte jammernd über das Schiff. Unser Kapitän beschwichtigte die Beiden, um keine Probleme mit den Behörden zu bekommen. José sagte nur, wenn er den Mann noch einmal in meiner Nähe sieht, bricht er ihn in der Mitte durch und wirft ihn den Haien vor. Leider ist mein Freund vor einigen Jahren verstorben.

Thorsten Kruse, Jens Knüppel, Heino Sumfleth, Mathias Treppke, Thomas Mohr und ich waren die Jüngsten an Bord. Wir waren schon eine eingeschworene Truppe und unternahmen viele Dinge gemeinsam. Fast zeitgleich haben wir mit der Seefahrt angefangen, aber keiner hat den Job letztendlich zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Viel Spaß hatten wir an Bord und hielten unsere alten Kameraden meist auf Trab. Zu Thorsten habe ich ab und zu noch Kontakt, Matthias und Thomas sind leider nicht mehr am Leben.

Der kleine Chamako, war auch einer dieser liebenswerten Spanier an Bord. An seinen richtigen Namen kann sich keiner mehr erinnern. Die schönste Geschichte, die mir zu ihm einfällt, ist die über eine kleine, blaue, wollene Matrosenmütze. Chamako hat diese immer getragen, beim Arbeiten, Essen oder auf Landgängen. Seine „Muutze“ liebte er über alles. Bei einem Hafenaufenthalt in Durban mit der LLOYD SYDNEY, rutschte der Spanier aus und fiel in eine Luke. Er wurde mit Rückenverletzungen in das St.-Augustin-Krankenhaus gebracht, wo ich ihn bis zum Auslaufen regelmäßig besuchte. Als Dank schenkte er mir die Wollmütze, die bis heute in meinem Besitz ist, wobei ich sie auch ab und an trage. Von Chamako habe ich noch gehört, dass er die Seefahrt beendet und in seiner spanischen Heimat als Fischer gearbeitet haben soll. Von einer seiner Fahrten auf das Meer sind er und sein Boot nicht mehr in den kleinen Fischereihafen zurückgekehrt.

Wolf von Römer war ein Bootsmann wie aus einem Abenteuerroman. Optisch, manchmal mit Bart, oder wegen seiner rauhen, kratzigen Stimme, war er das Abbild des deutschen Seemanns. Unsere erste Reise machten wir gemeinsam auf der LLOYD SYDNEY und ich zuckte zusammen, als ich ihn an Deck wie wild, aber mit Überblick, seine Matrosen herumkommandieren hörte. Aber in der rauen Schale steckte ein warmes Herz.

Unter den Matrosen gab es seinerzeit auch viele Türken. Als Kameraden waren sie alle einmalig, ob es der kleine „Hawaii“ Avci war oder der immer gute Laune verbreitende Jusuf Baycicek. Viele Landgänge machte ich mit Sevim Yigci, mit dem ich auf einigen Reisen fuhr. Am besten in Erinnerung blieb mir aber Ali Sönmez, ein schwergewichtiger Türke, der viele Geschichten von seiner Militärzeit zu erzählen hatte. Er warf auch immer ein Auge auf uns junge Burschen, damit wir an Land nicht unter die Räder kamen. Schlau waren sie damals alle schon. Auf Grund ihres Glaubens durften sie kein Schweinefleisch essen, für sie gab es immer leckere Steaks. Beim Trinken von Alkohol oder dem Spass mit den Schönheiten Brasiliens, drückte Allah aber immer ein Auge zu.

Wichtig für eine gute Laune an Bord waren immer die Köche. Ob Albers, Arntd oder Detgen, zu allen hatte ich einen guten Draht und ihr „Skippy“ wurde immer mit Köstlichkeiten außer der Reihe versorgt. Mit dem Koch Wolfgang Scheuber, habe ich sogar über 4 Wochen in der Kombüse zusammen gearbeitet, da sein Bäcker sich in Rio im Rausch des Alkohols den Arm gebrochen hatte. Kartoffeln schälen und Koteletts braten, waren meine Hauptaufgaben. Mit Scheuber, der jetzt ein Restaurant in Valpariso, Chile, betreibt, gab es immer etwas zu lachen und wehe es hat sich einer über das Essen beschwert, da flogen gleich die Teller. Zu essen bekam ich immer reichlich bei ihm, weil er immer sagte, ich müsste mal was auf die Brust bekommen. „Wenn du an Land gehst, sieht dich ja keine Frau“, war seine Meinung.

Die Kapitäne, unter denen ich zur See fuhr, besaßen alle verschiedene Eigenschaften. Nur in einem waren sie sich gleich, sie steuerten unsere Schiffe immer sicher und zielgenau in die Häfen. Käpt’n Kemper war ein sehr launischer Typ, mit dem viele ihre Schwierigkeiten hatten. Ganz anders waren da Kapitän Rindfleisch und Boomgaarden, die sich auch dafür einsetzten, dass die Crew mal Fußball spielte, oder es wurden Touren durch die angelaufenen Länder organisiert. Es waren „Alte“ wie aus den Abenteuerromanen, die auch immer ein offenes Ohr für ihre Jungs hatten. Besonders gerne erinnere ich mich an Käpt’n Behrens, der es zu würdigen wusste, dass ich seine Crew immer bestens versorgte. Er freute sich riesig für mich, als ich wieder auf die LLOYD SYDNNEY durfte, war aber auch traurig, dass er mich dafür aus seiner Mannschaft entlassen musste.

Viele Kameraden kann ich hier gar nicht erwähnen, es fällt mir eigentlich keiner ein, der nicht ein Orginal war und es nicht wert wäre, dass ich ein paar Zeilen über ihn schreibe. Ich hatte das Glück, die Seefahrt noch zu einer ihrer besten Zeiten erleben zu dürfen. Die Kameradschaft, die an Bord herrschte, war einmalig. Nie wieder habe ich so einen Zusammenhalt, wie den an Bord, erlebt. Ich glaube auch nicht, dass es so was noch gibt, vielleicht unter „Kumpels“ im Bergwerk. Ob man sich die Arbeit an Bord gegenseiteig abnahm oder für kranke Kameraden einsprang, nie gab es Kummer, wie an einem heutigen Arbeitsplatz. Hatte man irgendwelche Probleme an Land, ließen die Jungs alles stehen und liegen und waren zur Stelle. Gerade wir „Jungen“ an Bord tapsten oft in Fettnäpfchen und waren froh, Unterstützung durch die alten Haudegen zu bekommen. Die Zeit zur See war die beste meines Lebens...

Erwähnen möchte ich hier noch den Seemannspastor Dieter Schmidt und seine Frau Heidrun. Sie traf ich zum ersten Mal 1978 in Durban, Südafrika. Meine ganze Fahrenszeit standen wir in Briefkontakt, wenn ich nicht gerade in „seinem“ geliebten Hafen vor Anker lag. Das Haus der Familie Schmidt in der Renshaw Road, war für alle Seeleute dieser Welt ein beliebter Anlaufpunkt. Viele Menschen, die ich auf meinen späteren Reisen traf, kannten „die Schmidts“. Was sie für die deutschen Seeleute, und nicht nur diese, getan haben, wird einmalig bleiben. Auf zwei späteren Reisen nach Durban mit meiner Frau Sabine verbrachten wir auch einige Tage bei Heidrun und Dieter, welche die Seemannsmission im Mai 2002 aufgegeben haben. Ihr Einsatz und ihre Gastfreundlichkeit werden unvergessen bleiben. Sie leben jetzt wieder in Deutschland. Ein schwerer Verlust für die Seefahrt.

Nachwort vom 20.04.2001: Heute muss ich Euch eine Geschichte erzählen, die für mich persönlich unglaublich ist. Die, die mich kennen, werden vielleicht sagen: “Ja, ja, der André“, die mich nicht so kennen sagen eventuell: “Was ist das für ´n Spinner?" Trotzdem, meine starke Verbundenheit zu meinem Schiff, der LLOYD SYDNEY ist ja fast jedem bekannt. Ich bin auf einigen Schiffen zur See gefahren, aber die LS war und ist meine große Liebe, die größte, die ich je zu einem materiellen Gegenstand hatte.

Jeder Mensch träumt nachts. Mal intensiv, mal oberflächlich. Es kommt vor, bei mir zu mindestens, dass manche Träume so realistisch sind, dass man morgens völlig verstört ist, ja vielleicht sogar Tränen in den Augen hat, weil einem der Traum sehr nahe ging. Dieses ist mir schon ein paar Mal passiert, gerade, wenn man von Lebewesen träumt, die nicht mehr unter uns sind und einem sehr nahe standen. In einem Traum erschien mir mal ein lieber Seefahrtskollege, mit dem ich auf der LLOYD SYDNEY fuhr und von dem ich eine Wollmütze besitze, die er 20 Jahre lang jeden Tag trug. Er schenkte mir diese geliebte Mütze, weil ich ihn mehrmals im Krankenhaus in Durban besuchte. Er lag dort mit einem Rückenschaden, weil er beim Entladen in die Luke gefallen war. Also diese Person, Chamako, ein Spanier, der vor einigen Jahren beim Fischen in seiner Heimat außenbords ging und nie wieder gefunden wurde, erschien mir im Traum. Wir gingen über die LLOYD SYDNEY, und er teilte mir mit, dass unser Schiff jetzt verschrottet wird, was mich sehr traurig stimmte und noch morgens verstörte. Seit über 10 Jahren schreibe ich jeden Traum akribisch auf. Es ist interessant, sie später zu lesen und zu sehen, dass ich noch nie exakt den gleichen Traum hatte, auch wenn man das selbst oft denkt. Von meinem Schiff habe ich oft geträumt, aber nie wieder, dass es verschrottet wird. Sicherlich liegt die Häufigkeit meiner Träume von der LLOYD SYDNEY darin, dass ich mich immer noch sehr mit dem Schiff beschäftige.

Vor einigen Tagen meldete sich ein freundlicher Mensch aus der Schweiz bei mir, der durch Zufall auf meiner Homepage gelandet war. Er teilte mir mit, dass er die LLOYD SYDNEY, jetzt unter dem Namen GOLDEN SPLENDOUR, in Saigon gesehen habe, und zwar 1997, und ein Foto besitze. Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber er hat es mir mittlerweile zugeschickt, und ich danke ihm auf diesem Weg, es wird bald im Netz zu sehen sein.


Golden Splendour am 15.11.1997 in Saigon, Vietnam, Foto Markus Berger

Auch hat mein Suchen ein Ende, denn unsere, meine geliebte LLOYD SYSNEY wurde am 21.November 1998 in Alang, Indien, zum Verschrotten auf den Strand gesetzt, dieses dauerte ca. 4 Wochen. Das Datum ist überprüft und zuverlässig. Furchtbar für mich! Da ich ein normales Tagebuch führe mit wichtigen Ereignissen, schaute ich sofort nach, was ich an dem damaligen Tag getan habe – nichts, nur ein „Faulenzer-Wochenende“. Ich erinnerte mich an meinen Traum und kramte die alten Traum-Tagebücher vor. Schaute nach und fand den damals sehr ergreifenden und traurigen Traum mit dem Eintrag Nacht vom 23. zum 24. November 1998! An dem Wochenende, als man anfing, das Schiff zu zerschneiden, genau da hatte ich den Traum. Ich war geschockt und ergriffen. Nicht, dass ich an Träume so glaube oder das Geträumte auch später passiert, aber dass ich vom Verschrotten erzählt bekomme, und es passiert dann auch exakt in dieser Zeit, hat mich schon ergriffen und verwirrt. Selbst wenn es ½ oder 1 Jahr früher oder später gewesen wäre, hätte ich gesagt, siehste, ich habe es geträumt, dass aber das Datum passt, finde ich unglaublich. Vielleicht könnt Ihr das nicht so nachempfinden oder denkt, André hat ne Klatsche. Vielleicht zeigt das aber auch die Verbundenheit zu dem Schiff, es schmerzt zu wissen, dass es Stück für Stück, langsam und qualvoll zerlegt wurde und für immer von den Meeren verschwunden ist.


Das langsame Sterben der Lloyd Sydney

Am Montag, 7. Januar 1983, bekam ich am späten Nachmittag einen Anruf, dass die LLOYD SYDNNEY, jetzt wieder WESERLAND, in Hamburg sei. Sofort fuhr ich mit dem Auto von Hannover aus in Richtung Norden. Es war, wie immer zu dieser Jahreszeit, schon früh dunkel, und es herrschte ein leichtes Schneetreiben. In Hamburg angekommen, lief ich die letzten Meter zu Fuß, passierte den Zoll, und als ich dann endlich um eine Lagerhalle bog, sah ich sie. In ihrer ganzen Schönheit lag die alte Lady dort an der Pier, angestrahlt von den Scheinwerfern, damit die Arbeiter das Löschen der Ladung ungehindert durchführen konnten. Ich stand wie angewurzelt und hörte mein eigenes Herz pochen.

Das leichte Schlagen des Wassers an die Hafenmole, der allgegenwärtige Geruch von Diesel, sowie der Klang eines Nebelhornes aus weiter Ferne, alles übliche Geräusche in einem Hafen. Mir kam es vor, als wenn alles um mich herum gerührt sei und sich mit mir über dieses Wiedersehen freue. Ich ließ diesen Augenblick unvergesslich in meine Seele einbrennen. Schön war es für mich, nach 3 Jahren wieder mal ein Schiff, mein Schiff, zu betreten. Ein Rundgang an Bord, das Begegnen alter Kollegen und Freunde, ein netter Plausch über Vergangenes und inzwischen Erlebtes, ließ die Stunden wie im Flug vergehen. Meine Kammer, die Pantry, die Brücke, waren Orte, die mich gedanklich in eine schöne Zeit zurück versetzten. Aber der Abschied kam und ich war traurig. Ich dachte nicht daran, dass ich meine einstigen Weggefährten fast alle nie wiedersehen würde, als ich das Schiff verließ.

Ein zartes Streicheln über die von Rost und Salz beschichtete Reling, und ich schlich schweren Herzens die Gangway hinab. Der Schnee ging in leichten Regen über, es hätten auch Tränen sein können, als ich noch einen kurzen Blick auf das Schiff in seiner vollen Länge warf. Nie hätte ich daran gedacht, dass die alte Lady und ich uns in diesem Moment das letzte mal sahen...

Fünf Jahre später, es ist Samstag, der 21.November 1998, Alang in Indien. Brütende Hitze liegt über der Bucht. An diesem Tag geht die MS GOLDEN SPLENDOUR, ex WESERLAND, LLOYD SYDNEY und KOTA TIMOR, auf Reede vor der Küste des Indischen Ozeans.

Alang, 150 Kilometer nördlich von Bombay, ist der größte Schiffsfriedhof der Welt. An der dortigen Küste liegen auf über zehn Kilometer Länge dicht nebeneinander bis zu 180 Ozeanriesen am Strand. Im Jahr werden hier über 400 stählerne Riesen vernichtet, 60% aller Abbrüche weltweit. Volle Kraft voraus werden Schiffe bei Flut auf den Strand gefahren, der hier flach ist und voller Schlick. Bei Ebbe fallen die Schiffe trocken und dann kommen die "Eisenfresser", bis zu 40.000 Arbeiter, die die Schiffe von Hand zerlegen, mit Schweißgeräten, Sägen und Hämmern. Von Hand tragen die Arbeiter die Wrackteile aus dem Watt. Bagger und Lkws würden hier im Schlamm versinken.

Die Lloyd Sydney, vor langer Zeit für ein Jahr mein Zuhause, hatte ihre letzte Reise angetreten. Der Reeder hat sie für $ 127 pro Tonne Leergewicht (zu dieser Zeit über 2,8 Millionen DM) an das indische Unternehmen Shirdi Steel Traders verschachert, nachdem ein Makler sie begutachtet hatte. Mit minimaler Besatzung hatte sie ihre letzte Fahrt angetreten. Nach 28 Jahren auf den Weltmeeren, Millionen von Seemeilen, wobei sie Hunderten von Seeleuten nicht nur Arbeit gab, sondern auch ein Stück Heimat. Nachdem das Schiff diese Menschen sicher durch fürchterliche Stürme führte, ist es seinem Ende nah.

Es wurde auf den richtigen Moment gewartet. An jeweils drei bis vier Tagen mit sehr hohen Tiden bzw. um die Springflut, steckt der neue Eigentümer, der Ship Breaker, eine Fahne in den morastigen Strand, die dann von einem Steuermann von Bord angepeilt wird. Per Funk geht die Anweisung zum Start an den Kapitän. Ein allerletztes Mal springen die schweren Maschinen an, dreht sich die Schraube auf Hochtouren. Der Klang der Nebelhörner gilt als Warnung für alles, was im Wege steht, es ist aber auch ein letztes, vergebliches Hilfesignal des Schiffes, ein Schrei der Kilometer weit zu vernehmen ist, aber keine Rettung mehr für das Schiff herbeirufen kann.

Einige Hundert Meter vom Strand entfernt bohrt sich das Schiff in den Schlick, bis es sich nicht mehr bewegen kann. Der Plot 08/101 ist der letzte Ort, wo der Meeresriese zum Stillstand kommt. Die sich noch immer drehenden Schrauben schleudern das ekelige Gemisch von Matsch und Brackwasser durch die schwüle Luft. Als das letzte Geräusch verklungen ist, welches aus den Maschinenräumen kam, vergehen endlose Minuten. Es ist endgültig vorbei, die alte Lady hat kein Wasser mehr unter dem Kiel...

Der Maschinentelegraf wird nie mehr klingeln, es sei denn die "Elektrohöker" finden noch Käufer für das Modell, welches jahrelang seinen Dienst auf der Brücke des Ozeanriesen tat. Die schönen Messingteile auf dem Schiff, wovon jedes eine lange Geschichte erzählen kann, werden bei den kleinen Schrotthändlern zum Verkauf angeboten. Tausende Läden säumen die Straße von Alang City bis zur Schiffsabwrackstelle. Überall sind auf dem Weg zum

Schiffsfriedhof die sterblichen Überreste der zerteilten Meeresgiganten zu sehen. Haushohe Generatoren, in langen Reihen aufgestellte Toiletten, Rohre in jeder Größe und Form, Möbel, Navigationsgeräte, Ketten und gestapelte Eisenplatten, so weit das Auge reicht.

Der martialische Arbeitsplatz von rund 40.000 Menschen erstreckt sich über viele Kilometer entlang der Küste. Tanker, Frachtschiffe, Passagierdampfer und Kühlschiffe sind hier dicht nebeneinander auf den modrigen Grund gefahren worden und liegen bei Niedrigwasser trocken. Manche sind noch komplett, andere sind bereits zweigeteilt, geviertelt, geachtelt. Es dröhnt und hämmert sieben Tage die Woche. Immer rund um die Uhr, nachts bei gespenstischem Flutlicht. Rasselnde Ketten, aufheulende Motoren und angsteinflößendes Quietschen der Stahlwanten sind hier allgegenwärtig und so laut, dass es in den Ohren schmerzt.

Für Schiffe, die nicht das Glück haben, zum Museumsschiff umfunktioniert zu werden, gibt es eben keinen Gnadenhof. In dieser erniedrigenden Gegend und Atmosphäre wird die alte Lady in kurzer Zeit ihr Ende finden. In den nächsten Tagen wird die Lloyd Sydney "gestrippt", das heißt, alles, was lose ist, soll herausgeholt werden. Armaturen, Holzwände, Betten, Toiletten, Lampen, Treppen, alles, was zu lösen ist, wird fortgeschafft.

Ein Beauftragter des neuen Eigentümers wandert auf meinem alten Schiff umher und entwirft den "scrapping"-Plan. Er entscheidet nach statischen Gesichtspunkten, in welcher Folge die Einzelteile des Schiffes angegangen werden. Es darf nicht auseinanderbrechen und es darf sich auch nicht neigen oder gar umkippen. Die GOLDEN SPLENDOUR, ex LLOYD SYDNEY, soll systematisch demontiert werden, da sie noch zu weit im Watt liegt und die Flutphase oder ein Sturm das Schiff bewegen kann. Deshalb werden tragende Teile zuletzt berührt.

Zwei Tage vor Weihnachten, am 22. Dezember 1998, beginnt das eigentliche Sterben der Lloyd Sydney. Zu Hunderten fallen die Arbeiter, Männer, Jugendliche und auch Kinder über sie her. Bei sengender Hitze schuften die Abwracker, ungelernte Kräfte aus ganz Indien, für nur 3000 Rupien (150 DM) im Monat. Fast alle Arbeiter sind barfuß. Sie stehen knöcheltief in dem von Eisenspänen, Öl und Rost geschwängerten Matsch. Ihre Arbeitsmontur beschränkt sich auf kurzärmelige T-Shirts und Lunghis, landesübliche, um die Hüften gebundene Hosentücher. Solange das Schiff im Watt, also relativ weit entfernt vom Strand liegt, sollen einige große transportable Teile mit Schweißbrennern vom Rumpf getrennt und mit Winden an Land gezogen werden.

Der erste Schritt vor Beginn der Arbeiten im Schiff, ist das Herstellen von etwa zwei mal drei Meter hohen Luken und Fenstern in die Schiffshaut. Das Schiff ist nämlich nach dem „strippen" innen stockdunkel. Bei plötzlich auftretenden Bränden sollen die Öffnungen als Rauchabzug und Fluchtweg dienen. Auch bei plötzlich auftretenden hohen Wasserständen kann der Frachter nicht mehr aufschwimmen und Schaden anrichten. Das langsame, qualvolle Sterben beginnt.

Kein stolzer Kapitän steht mehr auf der Brücke oder in der Nock. Das Schiff durchschneidet nie mehr bei voller Fahrt das smaragdfarbene Meer und läst in seinem Kielwasser spielfreudige Delphine springen. Kein Albatros umkreist mehr seine Masten und kein Schiffsjunge steht an der Reling mit vorausschauendem, freudigem Blick auf den nächsten Hafen. Niemals mehr wird es einen Seemann, der nachts in seiner Koje schläft, zuverlässig und sicher durch die Ozeane führen. Nichts auf der Welt kann sein Sterben noch aufhalten.

Auf dem Schiff herrscht infernalischer Lärm. Mit Schneidbrennern wird der Schiffsstahl in Stücke geschnitten. Schwere Eisenteile werden von Deck des Wracks aus mehr als 10 Meter Höhe auf den Strand geworfen. Flammen züngeln überall und schwarze Rußwolken verdunkeln den Himmel. Die Arbeiter legen Ketten um gelöste Teile und ziehen sie mit Winden in Richtung Land. Am schlimmsten ist der beißende Qualm, der beim Trennschweißen der Stahlwände entsteht. Auch die eingeschweißten Luken werden mit Ketten von unzähligen Menschen nach außen gebogen. Der Stahl macht dabei schrille Geräusche, die an das schmerzhafte Schreien eines kleinen Kindes erinnert. Wie dickflüssige Tränen rinnt das letzte Dieselöl aus dem Schiffsrumpf, dem damit jegliches Leben entzogen wird.

Die LLOYD SYDNEY verliert in den ersten vier Wochen ein Drittel ihres Volumens. Leichter geworden, wird sie jetzt bei jeder Flut mit Winden von Land aus, weiter auf den öligen Strand gezogen. So schwer sie auch ist und sich dagegen wehrt, sie ist chancenlos. Ohne Pause schweißen und hämmern die Arbeiter bis in die Nacht hinein. Sprühende Metallfunken erglimmen in der Abenddämmerung und rieseln funkelnd von dem schon teilweise skelettierten Schiff herunter.

Die Inder tragen schwere Platten, Eisen- und Stahlteile zum Ausgang des eingezäunten Plots Richtung Straße, von wo aus die Lastwagen in die nächstgelegene "Rerolling Mill", ein Walzwerk, und an alle möglichen anderen Orte im Land zur Weiterverarbeitung fahren. Schweißer tragen ihre Gasflaschen in den Schiffsbauch wo es immer noch teilweise stockfinster ist. Taschenlampen besitzt niemand. Durch die dunklen Gänge tasten sich die Arbeiter in das Innere.

Von außen wird die Lloyd Sydney weiter gnadenlos filettiert, Stück für Stück wird aus ihr herausgerissen. Plastikteile, Dichtungsmassen und Kabelisolierungen werden sofort am Strand verbrannt. Das Gelände gleicht einem Schlachtfeld. Meterhoch türmt sich der Schrott. Jede Schraube oder Mutter wird eingesammelt. Viele Dinge, die nicht benötigt werden, schmeißen die Arbeiter einfach ins Meer. Rund um Alang gibt es ein gigantisches Slumgebiet. Hunderttausende von Menschen hausen hier in Wellblech und aus dem Wasser gefischten Schiffsschrott.

Alles von dem Schiff ist hinfort geschafft. Wie Kolonnen von Ameisen entfernen diese Menschen alles. Werkzeuge, Hilfsaggregate, Lampen, Funkgeräte, Tische, Betten, Leuchtröhren, Kücheneinrichtungen, Sitzbänke, Tauwerk, Kabel, Safes, einfach alles wird jetzt von den Straßenhändlern zum Kauf angeboten. Küstenfischer sieht man in Rettungsbooten arbeiten, altes Schmieröl wird direkt weiterverkauft.

Nach über acht Wochen ist alles vorbei, der Todeskandidat, die LLOYD SYDNEY, ist verschwunden. Für immer und ewig. Brennende Stellen mit Altöl. Kilometer weit sieht man die Rauchfahnen. Am Strand im Dreck liegende Stahlträger erinnern noch daran, dass hier vor kurzem ein stolzer Frachter lag. Im Schlamm liegen noch einige WC-Schüsseln von ihm, für die keiner Verwendung fand. Der Rest ist verteilt.

Eines hat überlebt. Die Schiffsglocke aus Messing. Sie wird niemals eingeschmolzen, sie ist auch unverkäuflich. Der Shipbreaker behält sie und spendet sie zu bestimmten Anlässen an eine Kirche oder einen Hindutempel. Am Ortsausgang von Alang läutet eine Glocke von einem russischen Dampfer, wo die der LLOYD SYDNEY abgeblieben ist, konnte bis heute keiner beantworten . . .


Am 5.04.2002 kam dieses eMail: Das schöne an einem Hobby ist, es passieren immer wieder Dinge, mit denen man nicht rechnet. Man denkt, man hat alles durchforstet und alles gefunden was es gibt, auf einem mal passiert das UNMÖGLICHE, lest dieses Email, und Ihr könnt Euch vorstellen, wie es jetzt in meinem alten Körper aussieht. Freude, Glück, Spannung, Jubel...vielleicht Tränen? Ich kenne das ja von meinem Hobby mit dem australischen Fußball, immer wieder finde ich was neues, und dann... ja dann bekomme ich so ein mail: „Hallo, schönen Dank für Deine mail. Ich habe heute mit meinem Vater telefoniert und ihm von Deiner Webseite erzählt. Er hat sich sehr gefreut mal wieder etwas von dem Schiff zu hören. Ihm geht es gut und er genießt mit mittlerweile 78 Jahren seinen Ruhestand in Barnstorf (Kreis Diepholz). Er konnte sich auch an Skippy erinnern und auch die meisten anderen Namen waren ihm noch im Gedächtnis (außer Thorsten Kruse). Mit Wolf von Römer ist er lange zusammen gefahren. Wolf kennt mich auch gut, auch wenn er mich wahrscheinlich als jungen Kerl in Erinnerung hat. Ich habe mir Deinen Reisebericht der Rund um die Welt Reise durchgelesen und mal etwas gekramt. Dabei habe ich von dieser Reise einen kompletten Film gefunden. Mein Vater hat damals mit Super 8 gefilmt und ich habe diese Filme zum Teil von der Leinwand abgefilmt und von meinem Vater kommentieren lassen. Die Qualität ist natürlich nicht sehr gut, aber es ist eine schöne Erinnerung. Wenn Du mir Deine Adresse mailst, schicke ich Dir eine CD mit dem Film zu. Der Film beginnt übrigens genau wie Dein Bericht mit einem Blick aus dem Flugzeug auf den Kilimanjaro. Viele Grüße, Günter Boomgaarden“

Vatter Boomgarden war der Kapitän auf meiner 2ten Lloyd Sydney Reise. So wie es aussieht, bekomme ich jetzt einen Film von meiner geliebten LySy. Ist das nicht ein Hammer??? Immer habe ich mir gesagt: Schade, dass es damals noch kein Video gab. Wahrscheinlich bekomme ich jetzt doch noch tolle Bilder von dem Schiff, als Film sogar. Ich könnte springen vor Freude!


Maritime books in German language: fates of international sailors

Los libros marítimos en el idioma alemán: los destinos de marineros internacionales:

© Jürgen Ruszkowski

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Diese Internetseite wurde vom früheren langjährigen Geschäftsführer und Heimleiter des Seemannsheimes erstellt, der hier sein Rentner-Hobby vorstellt.


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Schiffsbilder


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zur gelben Zeitzeugen-Bücher-Reihe des Webmasters:

© Jürgen Ruszkowski

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 Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski: 

Seemannsschicksale

Band 1 - Band 1 - Band 1 - Band 1

Begegnungen im Seemannsheim  

ca. 60  Lebensläufe und Erlebnisberichte

von Fahrensleuten aus aller Welt 

http://www.libreka.de/9783000230301/FC  

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Seemannsschicksale

 Band 2 - Band 2

Lebensläufe und Erlebnisberichte

 Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten,   als Rentner-Hobby aufgezeichnet bzw. gesammelt  und herausgegeben von  Jürgen Ruszkowski

http://www.libreka.de/9783000220470/FC

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Seemannsschicksale

   Band_3

 Lebensläufe und Erlebnisberichte

Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten

http://www.libreka.de/9783000235740/FC

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 Edition 2004 - Band 4

Seemannsschicksale unter Segeln 

Die Seefahrt unserer Urgroßväter

im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts 

13,90 €

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  Band 5

 Capt. E. Feith's Memoiren

Ein Leben auf See

amüsant und spannend wird über das Leben an Bord vom Moses bis zum Matrosen vor dem Mast in den 1950/60er Jahren, als Nautiker hinter dem Mast in den 1970/90er Jahren berichtet    

http://www.libreka.de/9783000214929/FC

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Band 6 ist geplant

 

 

 

 

 

Leseproben und Bücher online

Seemannsschicksale

maritimbuch

Schiffsbild - Schiffsbild

Schiffsbild

erwähnte Personen

- erwähnte Schiffe -

erwähnte Schiffe E - J

erwähnte Schiffe S-Z

Band 7  

in der Reihe Seemannsschicksale:

Dirk Dietrich:

Auf See

ISBN 3-9808105-4-2

Dietrich's Verlag

Band 7  

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Band 8

Maritta & Peter Noak

auf Schiffen der DSR

ISBN 3-937413-04-9 

Dietrich's Verlag

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  Band 9

Rainer Gessmann

Endstation Tokyo

Die abenteuerliche Karriere eines einfachen Seemannes  

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Endstation Tokyo

 12 €  - Bestellungen

Band 10 - Band 10  

Autobiographie des Webmasters

Himmelslotse

Rückblicke:   27 Jahre Himmelslotse  im Seemannsheim  -  ganz persönliche Erinnerungen an das Werden und Wirken eines Diakons

13,90 € - Bestellungen -

 

- Band 11 

Genossen der Barmherzigkeit 

  Diakone des Rauhen Hauses 

Diakonenportraits

13,90 € - Bestellungen  -

Band 12 - Band 12  

Autobiographie: 

Diakon Karlheinz Franke 

12 € - Bestellungen  -

Band 13  - Band 13  

Autobiographie

 Diakon Hugo Wietholz


13,90 € - Bestellungen  -

 Band 14 

Conrad H. v. Sengbusch

Jahrgang '36

Werft, Schiffe, Seeleute, Funkbuden 

Jugend in den "goldenen 1959er Jahren"

Lehre als Schiffselektriker in Cuxhaven

13,90 € - Bestellungen -

  Band 15

Wir zahlten für Hitlers Hybris

mit Zeitzeugenberichten aus 1945  über Bombenkrieg, Flucht, Vertreibung,  Zwangsarbeit und Gefangenschaft 

Ixlibris-Rezension

http://www.libreka.de/9783000234385/FC

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Band 16

Lothar Stephan

Ein bewegtes Leben - in den Diensten der DDR - -  zuletzt als Oberst der NVA

 ISBN 3-9808105-8-5  

 Dietrich's Verlag   

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Schiffsbild

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  Band 17 

Als Schiffskoch weltweit unterwegs

Schiffskoch Ernst Richter

http://www.libreka.de/9783000224713/FC

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 Band 18 

Seemannsschicksale

 aus Emden und Ostfriesland  

 und Fortsetzung Schiffskoch Ernst Richter auf Schleppern

http://www.libreka.de/9783000230141/FC

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 Band 19   

ein Seemannsschicksal:

Uwe Heins

Das bunte Leben eines einfachen Seemanns

13,90 € - Bestellungen -

 

 

 

 

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  Band 20  

ein Seemannsschicksal im 2. Weltkrieg

Kurt Krüger 

Matrose im 2. Weltkrieg

Soldat an der Front

- Bestellungen -

 Band 21

Ein Seemannsschicksal: 

Gregor Schock

Der harte Weg zum Schiffsingenieur 

  Beginn als Reiniger auf SS "RIO MACAREO"

13,90 € - Bestellungen -

  Band 22

Weltweite Reisen eines früheren Seemanns als Passagier auf Fähren,

Frachtschiffen

und Oldtimern

Anregungen und Tipps für maritime Reisefans 

- Bestellungen -

   Band 23

Ein Seemannsschicksal:

Jochen Müller

Geschichten aus der Backskiste

Ein ehemaliger DSR-Seemann erinnert sich

12 € - Bestellungen -

 

 

 

 

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  Band 24

Ein Seemannsschicksal:

Der maritime Liedermacher 

Mario Covi: -1-

Traumtripps und Rattendampfer

Ein Schiffsfunker erzählt

über das Leben auf See und im Hafen

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  Band 25

Ein Seemannsschicksal:

Der maritime Liedermacher 

Mario Covi: -2-

Landgangsfieber und grobe See

Ein Schiffsfunker erzählt

über das Leben auf See und im Hafen

http://www.libreka.de/9783000223624/FC

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  Band 26

Monica Maria Mieck:

mmmptr6.jpg

Liebe findet immer einen Weg

Mutmachgeschichten für heute

Besinnliche Kurzgeschichten

auch zum Vorlesen

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  - Band 27 -

Monica Maria Mieck

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Verschenke kleine

Sonnenstrahlen

Heitere und besinnliche Kurzgeschichten

auch zum Vorlesen

- Bestellungen -

 

 

 - Band 28 -

Monica Maria Mieck:

mmmptr6.jpg

Durch alle Nebel hindurch

erweiterte Neuauflage

Texte der Hoffnung

besinnliche Kurzgeschichten und lyrische Texte

ISBN 978-3-00-019762-8

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 Band 29 

Logbuch

einer Ausbildungsreise

und andere

Seemannsschicksale

Seefahrerportraits

und Erlebnisberichte

ISBN 978-3-00-019471-9

http://www.libreka.de/9783000194719/FC

13,90 € - Bestellungen -

  Band 30

Günter Elsässer

Schiffe, Häfen, Mädchen

Seefahrt vor 50 Jahren

http://www.libreka.de/9783000211539/FC

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13,90 €

- Bestellungen -

 

 

 

 

  Band 31

Thomas Illés d.Ä.

Sonne, Brot und Wein 

ANEKIs lange Reise zur Schönheit

Wohnsitz Segelboot

Reise ohne Kofferschleppen

Fortsetzung in Band 32

13,90 €

- Bestellungen -

 

 

Band 32

Thomas Illés d.Ä.

Sonne, Brot und Wein

Teil 2

Reise ohne Kofferschleppen

Fortsetzung von Band 31 - Band 31

13,90 € - Bestellungen -

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Band 33

Jörn Hinrich Laue:

Die große Hafenrundfahrt in Hamburg

reich bebildert mit vielen Informationen auch über die Speicherstadt, maritime Museen und Museumsschiffe

184 Seiten mit vielen Fotos, Schiffsrissen, Daten

ISBN 978-3-00-022046-3

http://www.libreka.de/9783000220463/FC

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Band 34

Peter Bening

Nimm ihm die Blumen mit

Roman einer Seemannsliebe

mit autobiographischem Hintergrund

http://www.libreka.de/9783000231209/FC

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  Band 35

Günter George

Junge, komm bald wieder...

Ein Junge aus der Seestadt Bremerhaven träumt von der großen weiten Welt

http://www.libreka.de/9783000226441/FC

13,90 €  - Bestellungen -

 

 

 

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 Band 36

Rolf Geurink:

In den 1960er Jahren als

seemaschinist

weltweit unterwegs

http://www.libreka.de/9783000243004/FC

13,90 €

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realhomepage/seamanstory

 

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Band 37  

Schiffsfunker Hans Patschke:

Frequenzwechsel

Ein Leben in Krieg und Frieden als Funker auf See

auf Bergungsschiffen und in Großer Linienfahrt im 20. Jahrhundert

http://www.libreka.de/9783000257766/FC

13,90 € - Bestellungen -

 

Band 38 - Band 38

Monica Maria Mieck:

Zauber der Erinnerung

heitere und besinnliche Kurzgeschichten

und lyrische Texte

reich sw bebildert

12 € - Bestellungen -

 

 

Informationen über die Buchpreise finden Sie auf der Bücher-Seite

Band 39 

Hein Bruns:

In Bilgen, Bars und Betten


Roman eines Seefahrers aus den 1960er Jahren

in dieser gelben maritimen Reihe neu aufgelegt

kartoniert

Preis: 13,90

Bestellungen

  Band 40

Heinz Rehn:

von Klütenewern und Kanalsteurern


Hoch- und plattdeutsche maritime Texte

Neuauflage

13,90 €  - Bestellungen -

 

Informationen über die Buchpreise finden Sie auf der Bücher-Seite

  Band 41

Klaus Perschke - 1 -

Vor dem Mast

1951 - 1956

nach Skandinavien und Afrika

Ein Nautiker erzählt vom Beginn seiner Seefahrt

 

 

Preis: 13,90 € - Bestellungen

  Band 42

 Klaus Perschke - 2 -

Seefahrt 1956-58

Asienreisen vor dem Mast - Seefahrtschule Bremerhaven - Nautischer Wachoffizier - Reisen in die Karibik und nach Afrika

Ein Nautiker erzählt von seiner Seefahrt

Fortsetzung des Bandes 41

 

13,90 € - Bestellungen

 Band 43

Monica Maria Mieck:

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Winterwunder

weihnachtliche Kurzgeschichten

und lyrische Texte

reich sw bebildert

10 € - Bestellungen -


 

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Band 44

Lothar Rüdiger:

Flarrow, der Chief 1

Ein Schiffsingenieur erzählt

Maschinen-Assi auf DDR-Logger und Ing-Assi auf MS BERLIN

 

13,90 € - Bestellungen


Band 47

Seefahrtserinnerungen

 band47miniseefahrtserinnerungen.jpg

Ehemalige Seeleute erzählen

13,90 € - Bestellungen

 


Band 50

Jürgen Coprian:

Salzwasserfahrten 2

Trampfahrt worldwide

mit

FRIEDERIKE TEN DOORNKAAT

friederiketendoornkaatminiorkanbildband50.jpg

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Band 53:

 Jürgen Coprian:

MS COBURG

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Salzwasserfahrten 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 weitere Bände sind geplant

 

 

 

 

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Band 45

Lothar Rüdiger:

Flarrow, der Chief 2

Ein Schiffsingenieur erzählt

Fortsetzung des Bandes 44

Flarrow als Wachingenieur

13,90 € - Bestellungen


 Band 48:

Peter Sternke:

Erinnerungen eines Nautikers

band48neuministernke9783000318580.jpg

13,90 € - Bestellungen

 


Band 51

Jürgen Coprian:

Salzwasserfahrten 3

band514prozentcopriansalzwasser3frontcover.jpg

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 Jürgen Coprian: 

Salzwasserfahrten 6

 weitere Bände sind geplant

 

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Band 46

Lothar Rüdiger:

Flarrow, der Chief 3

Ein Schiffsingenieur erzählt

Fortsetzung des Bandes 44 + 45

Flarrow als Chief

 

 

 

13,90 € - Bestellungen 

 


Band 49:

Jürgen Coprian:

Salzwasserfahrten 1

band49mini1prozentcoprianfrankfurt9783000321085.jpg

Ostasienreisen mit der Hapag

13,90 €Bestellungen

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Band 52 - Band 52

 Jürgen Coprian: 

Salzwasserfahrten 4

 MS "VIRGILIA"

band52klein2procentcover.jpg

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Band 56  

 Immanuel Hülsen

Schiffsingenieur, Bergungstaucher

band56kleincover.jpg

Leserreaktionen

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Band 57

Harald Kittner:

fischtextnemesiseffekt.jpg

zeitgeschichtlicher Roman-Thriller

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Band 58

band58minifrontcover.jpg

Seefahrt um 1960

unter dem Hanseatenkreuz

 

 

 

 

weitere Bände sind in Arbeit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Jürgen Ruszkowski,     Nagelshof 25,   

D-22559 Hamburg-Rissen,    

Telefon: 040-18 09 09 48  - Anrufbeantworter nach 30 Sekunden -

Fax: 040 - 18 09 09 54

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 Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski:
Wenn Sie an dem Thema "Seeleute" interessiert sind, gönnen Sie sich die Lektüre dieser Bücher und bestellen per Telefon, Fax oder am besten per e-mail: Kontakt:

Meine Bücher der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" über Seeleute und Diakone sind über den Buchhandel  oder besser direkt bei mir als dem Herausgeber zu beziehen, bei mir in Deutschland portofrei (Auslandsporto:  ab 3,00 € )

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Los libros en el idioma alemán lo enlatan también, ( +  el extranjero-estampilla: 2,70 €), directamente con la editor Buy de.  


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Wenn ich nicht verreist bin, sehe ich jeden Tag in den email-Briefkasten.  Dann Lieferung innerhalb von 3 Werktagen.

Ab und an werde ich für  zwei bis drei Wochen verreist und dann, wenn überhaupt, nur per eMail:   Kontakt  via InternetCafé erreichbar sein!


Einige maritime Buchhandlungen in Hamburg in Hafennähe haben die Titel auch vorrätig:

HanseNautic GmbH, Schifffahrtsbuchhandlung, ex Eckardt & Messtorff, Herrengraben 31, 20459 Hamburg,  Tel.: 040-374842-0               www.HanseNautic.de

WEDE-Fachbuchhandlung, Hansepassage, Große Bleichen 36, Tel.: 040-343240

Schifffahrtsbuchhandlung Wolfgang Fuchs, Rödingsmarkt 29, 20459 Hamburg, Tel: 3193542, www.hafenfuchs.de

Ansonsten, auch über ISDN über Buchhandlungen, in der Regel nur über mich bestellbar.


Für einen Eintrag in mein   Gästebuch  bin ich immer dankbar.

Alle meine Seiten haben ein gemeinsames Gästebuch.  Daher bitte bei Kommentaren Bezug zum Thema  der jeweiligen Seite nehmen!

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Za wpis do mej ksiegi gosci zawsze serdecznie dziekuje.


  erwähnte Personen

Leseproben und Bücher online

musterrolle.de

meine websites bei freenet-homepage.de/seamanstory liefen leider Ende März 2010 aus!  Weiterleitung

maritimbuch.de

maritimbuch.klack.org/index

Juergen Ruszkowski_Hamburg-Rissen.klack.org
www.seamanstory/index

seamanstory.klack.org/index

Jürgen Ruszkowski npage
maritimbuch.npage

seemannsschicksale.klack.org

Jürgen Ruszkowski google
seefahrt um 1960_npage

seeleute.klack.org

theologos.klack.org

seefahrtserinnerungen google

seefahrer.klack.org Theologisches bei Jürgen Ruszkowski
seefahrtserinnerungen npage seefahrtserinnerungen klack.org Diakone Rauhes Haus_/klack.org
salzwasserfahrten_npage maritimbuch.kilu.de Rauhes Haus 1950er Jahre_google

maritime_gelbe_Buchreihe_google

hafenrundfahrt.klack.org

Rauhes Haus 1950er Jahre npage

sites.google.com/site/seefahrtstory

schiffsbild.klack-org

Rauhes_Haus_Diakone_npage
seeleute_npage

schiffsbild.npage

Rauhes Haus Diakone google

nemesis_npage schiffsbild_google

seemannsmission npage

seamanstory_google
zeitzeugenbuch.wb4.de

seemannsmission.klack.org

Zur See_npage

zeitzeugen_1945_npage

seemannsmission google

zur_see_fahren_google

zeitzeugen_1945_google

seamanstory.klack.org/gesamt

maririmbuch/bücher

zeitzeugenbuch.klack.org

ine google-bildgalerien

maritimbuch.erwähnte Schiffe

subdomain: www.seamanstory.de.ki
Monica_Maria_Mieck.klack.org/index

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